Das Wetter ist so schlecht wie meine morgendliche Laune - Dauerregen scheint sich im Grazer Tal der Ahnungslosen eingenistet zu haben, und die Luft ist so schneidend kalt, daß man sich im Spätherbst wähnt. Der Surfkurs am Pfingswochenende wird somit zu einer Zitterpartie im wahrsten Sinne des Wortes, denn der schneidige, assitoastergebräunte Instruktor verschickte heute, wohlwissend um die schwindende Motivation aller Teilnehmer, E-Mails, in denen stand, daß der Kurs in jedem Fall stattfinden würde. Auf dem Brett würde uns schon warm werden. Ich freue mich also schon mal auf die sich mit Sicherheit in Bälde einstellende Lungenentzündung; Krankenhausaufenthalte finde ich toll. Kompressionsstrümpfe, tägliche Monoembolex-Spritzen, piepsende Gerätschaften wie Perfusoren oder Pulsoxymeter; wenn, dann möchte ich gleich das volle Programm. Und das als gesetzlich Krankenversicherter im Ausland. Halleluja.
Was allerdings noch viel unterhaltsamer ist, ist der Umstand, daß die Bauarbeiten, wegen denen ich sommers mein Domizil hier im sonnigen Süden, von dem heute so gar nichts zu sehen ist, aufgeben muß, schon angefangen haben. Das gesamte Erdgeschoß sieht aus wie ein Schweizer Käse mit riesigen Löchern in den Wänden, der Presslufthammer und Meißel trennen ganze Wände heraus. Der Metallschneider kreischt ab halb acht, und man hat fast den Eindruck, daß es den Bauarbeitern Freude macht, das faule Studentenpack mit lautem Baulärm aus dem Bett und aus dem Haus zu jagen. Ich erwäge, ihnen in die Gulaschkanone zu pinkeln und ein Röhrchen mit Escherichia coli hineinzumischen. Wären die Fratzen da unten nicht allesamt gegen noch billigere Arbeitskräfte aus dem Osten oder Südosten der EU austauschbar, ich würde es tun. Würde man das schon als Klassenkampf bezeichnen?