Die Sonne schien am gestrigen Tage warm, die Luft war weich und samtig, und Moto und ich beschlossen, einen Teil des Tages auf dem Rücken eines Drahtesels zuzubringen. Völlig nichtsahnend, in welche Ödnis uns diese Fahrt ins Nichts führen würde, strampelten wir uns ziellos den Teufel aus dem Leibe, um nach zwei Stunden an einem nahegelegenen See zu landen, in dem Forellen von der Größe kleiner Hunde in der Nähe des Ufers unbehelligt und unmotiviert umherschwammen, dessen Wasser so angenehm kalt nach der anstrengenden Jagd durch Wald und Wiesen war, daß ich mich mit Vergnügen hineingestürzt hätte, und der auf den Namen "Schwarzlsee" hört und in Graz als Naherholungsgebiet gilt. Allein die vielen mittelalten Damen, die sich in Begleitung von mittelalten Herren mit silbrig schimmerndem Brustpelzbesatz und leuchtend weißen Bierbäuchen ihrer Oberteile entledigt hatten, hielten mich davon ab, hier länger zu verweilen.
So benetzte ich meine geschundenen Beine, kühlte das heiße Blut durch ein ausgiebiges Fußbad und versank ob des Anblicks von Wasser einmal mehr in Gedanken über das Leben und seine Tücken. Ich frage mich, warum es mir immer wieder passiert, daß ich fast schon reflexartig über mich selbst reflektieren muß, wenn ich das Meer oder einen See sehe, der nur etwas größer ist als der übliche Gartenteich im grünen Paradies für Vorgartenzwerge eines Kleinstädters.
Der Rückweg gestaltete sich unerklärlicherweise trotz intensiver Studie des Kartenmaterials als ungleich schwieriger, so daß ich nach vier Stunden reiner Radfahrzeit (und das auf dem ächzenden, quietschenden Drahtesel, den ich erst kürzlich gebraucht erstanden habe) auf der Schwelle des JKH zusammenbrach. Moto wurde mit einer kleinen Glucose-Infusion wieder aufgepäppelt und erwachte nach einer halben Stunde aus dem Koma. Der Frühling in Graz ist die schönste Jahreszeit; wenn es nicht zu heiß ist, wenn man sich auch mal ein paar Stunden im Freien aufhalten kann, ohne in der Hitze zu verwelken wie ein Grashalm in der Wüste. Und man mag es nicht glauben, aber auch das Grazer Umland ist in jedem Fall eine Reise wert. Und jetzt ist es auch schon genug mit der Werbung für Österreichs heimliche Liebe.