Noch achtzehn Einträge bis zum tausendsten. Tolle Sache: Ich kann mich nicht mehr rühren. Selbst das Tippen fällt schwer. Nach einem Sport-Extrem-Tag folgt nun also der Rückfall am Abend; ich fahre Ries' Fahrrad zurück zu Lisi, trabe in die Stadt hinein, treffe Moto und Patrick im Tokyo, wo beide schon mähdrescherartig Sushi von kleinen Tellern verputzen. Ich setze mich daneben und werde vom irren Tempo, das beide vorlegen, angesteckt. Verdammt sei die Regatta, verdammt dieses ewige Konkurrenzdenken, der stete Kampf um den ersten Platz.
Reis, Reis, Reis, Fisch, Fisch, Fisch, Gemüse, Salat, Apfelsaft gespritzt, Reis, Fisch, Gemüse, Salat... Irgendwann merke ich, daß ich nicht mehr schlucken kann, es passt einfach nichts mehr hinein. Selbst Nachspülen hilft nicht. Moto weint kontaktbelinst still vor sich hin, von links höre ich leises Stöhnen, Patrick hat die Augen verdreht und blickt, ohne zu blinzeln, in den Halogenstrahler, während er seinen unter dem straff gespannten T-Shirt eingesperrten Bauch streichelt. Auch ich fühle mich schwindelig, rufe die Kellnerin. Zahlen, bitte.
Die nette Bedienung kommt, wir reichen Moto unser Geld, damit er bezahlt: "Alles zusammen, bitte." Und der deliriös wirkende japanische Student macht genau das, was passieren mußte, wenn eine nette Bedienung an den Tisch kommt: Zehn Euro Trinkgeld. Nein, das war ein Irrtum, aber natürlich verbietet es die japanische Art, zuviel gezahltes Geld zurückzufordern. Es sei denn, man arbeitet für die Yakuza.
Keuchend schleppen wir uns auf den Hauptplatz, fahren mit der schunkelnden Bim nachhause, wo Patrick sich ohne ein Grußwort auf sein Bett legt und sich den Bauch haltend einschläft. Tolle Sache, wenn man den Rücken von der Sonne verbrannt bekommen hat und jetzt Bauchweh hat. Wie liegen? Egal, er befindet sich im Koma. Moto und ich stürzen ein paar Whiskys hinunter - er wegen des Alkohols, ich wegen des Alkohols und des Geschmacks. Ja, Glenmorangie ist schon was Feines.