Psychologen sind schon ein seltsames Volk; darum mußte ich mir das glatt ansehen, als das Fest der Feste angekündigt wurde: Von Psychologen für Psychologen. Und anderweitige Gäste. Das Programm war bunt gemischt: Live-Musik, "Sprechstunde" (Professoren schenken Getränke aus), Feuershow und die Verlosung eines Autos für eine Woche inklusive des Treibstoffes. Hot Stuff & TNT sowie "Septim Orange" (Ries, wie schwul seid ihr eigentlich?) spielten auf, mit wechselnden Sängerinnen, von denen eine schlecht, die andere gut war, was man aber ohnehin kaum hörte, weil der Sound im Innenhof des Psychologieinstituts so erbärmlich war, daß es einem die Tränen in die Augen trieb. Desweiteren regnete es, was dazu führte, daß sich unter den aufgestellten Zelten Massen von Leuten drängelten, die sich in ihrer Vielfarbig- und Andersartigkeit folgenden Gruppen zuordnen ließen:
1. Da gab es also mal die Ökoschlampen; männlich und weiblich, die in Grüppchen zusammenstanden. Deren Körpergeruch brachte mich dazu, ein Weilchen im Regen zu verharren und einen Anflug von Übelkeit niederzuringen. Wie, bitte, können diese Menschen Sex haben? Dürfen die das überhaupt? Diese Gruppe zeichnete sich durch uniform "alternative" Bekleidung aus: Cargohosen, Sportschuhe, quer umgehängte Taschen, Topffrisuren, die möglichst nach Unfrisuren aussehen sollten, und Trainingsanzugoberteile, wie ich sie schon in den späten siebziger Jahren haßte und doch anziehen mußte. Der Geruch, der deren Haupthaar umwehte, erinnerte mich an ranzige Butter. Oder ganz einfach ungewaschene Leiber. Ich gebe es zu, ich lege schon Wert auf Körperhygiene. Nennt mich oberflächlich.
2. Die gestylten, overdressten Businessweibchen und -männchen, die sich eingefunden hatten, um zu schauen, was das einfache Volk für Feste feiert. Wie schon die Gruppe der Ökoschlampen standen sie in Grüppchen umher, versicherten sich gegenseitig ihrer Einzigartigkeit, während die Männer an ihrem Bier nippten und die Frauen am "Wahnsinnscocktail", den die Profs mit großen Kellen aus einem metallenen Bottich schöpften, nuckelten. Man unterhielt sich über die Hochschulpolitik, den Aktienindex, über Call- oder Put-Optionen und das Golfoutfit der kommenden Saison. Glücklicherweise hielten die Dumpfbacken es nicht allzu lange im Nieselregen aus, und bald war diese Gruppe auf wenige, angetrunkene Exemplare reduziert, die sich dann sogar unter die Gruppe "Ökoschlampen und anderes Getier" mischten. Am auffälligsten war dabei "Barbie", die mit ihrem pinkfarbenen Jäckchen und dem Röckchen ihre spindeldürre Figur bedeckte, während sie vom Gesicht her so wirkte wie Michael Jackson nach der zehnten Gesichts-OP. So straffe Haut direkt auf dem Schädelknochen, das habe ich selten vorher in dieser Deutlichkeit gesehen. Eine Traumfrau.
3. Die Aussteiger. Lederklamotten tragendes, lichtscheues Volks, vor dem ich mich fürchtete; geht man an einem von ihnen vorbei, sollte man sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob man sich nicht schon alleine durch das unabsichtliche Berühren der Kleidung mit sämtlichen bekannten und noch unbekannten Geschlechtskrankheiten infiziert hat. Sie üben auf postpubertäre kleine Mädchen eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus; diesen Mechanismus hätte ich gerne mal von einem Psychologen erklärt bekommen, aber gestern war niemand dazu imstande.
4. Da gibt es dann noch die Gruppe der Bibliotheksgänger und -bewohner. Völlig überfordert vom bunten Treiben standen sie verschüchtert in den Ecken, blickten bebrillt auf das, was sie so selten zu Gesicht bekommen - Menschen. Als der Alkohol dann wohl seinen Weg in die Blutbahn gefunden hatte, taute diese Gruppe allmählich auf und begann, mit Ausdruckstanz vor der Bühne auf sich aufmerksam zu machen. Ein Heidenspaß. Noch ein Bier für meine neuen Freunde, auf daß ihr Euch den Staub der Bücher aus dem Haupthaar schütteln möchtet. ("Oooh, Baby, schüttel Dein Haar für mich...")
5. Wie immer stellten sich dann gegen zwei die mittelalten Abschlepper ein, diejenigen also, die im normalen Leben niemals ein junges Mädchen dazu bringen würden, sich für sie zu interessieren. Sie suchen sich ein paar angetrunkene Exemplare aus, vergehen sich quasi schon in aller Öffentlichkeit an ihnen und versuchen, durch vermeintlich freundliches Gehabe, die Alkoholleiche in ihr Domizil zu führen und dort zu schänden. Erstaunlicherweise ist diese Taktik der alkoholischen Nekrophilie scheinbar häufiger von Erfolg gekrönt, aber letzten Endes ist hier jeder für sich selbst verantwortlich, und wenn sogar die beste Freundin jegliche Kontrollfunktion verloren hat, dann hat man sich auch den Schrecken am Morgen danach verdient.
Tja, und dann war da noch irgendwie ich mit ein paar anderen dort, die sich keiner dieser Gruppen zuordnen lassen. Und somit gehöre ich dann wohl zur Gruppe der deplazierten Beobachterspezies, den Langweilern, die sich mit einem antialkoholischen Getränk in der Hand die Musik anhören und etwas quatschen wollten, es dann aber doch nicht taten, weil der Regen und das kalte Wetter die Laune spürbar abkühlten. Mein Gott, war eh fast umsonst, von daher nächstes Mal wieder. In the year 2525, when man is still alive...