31.5.04


Noch achtzehn Einträge bis zum tausendsten. Tolle Sache: Ich kann mich nicht mehr rühren. Selbst das Tippen fällt schwer. Nach einem Sport-Extrem-Tag folgt nun also der Rückfall am Abend; ich fahre Ries' Fahrrad zurück zu Lisi, trabe in die Stadt hinein, treffe Moto und Patrick im Tokyo, wo beide schon mähdrescherartig Sushi von kleinen Tellern verputzen. Ich setze mich daneben und werde vom irren Tempo, das beide vorlegen, angesteckt. Verdammt sei die Regatta, verdammt dieses ewige Konkurrenzdenken, der stete Kampf um den ersten Platz.

Reis, Reis, Reis, Fisch, Fisch, Fisch, Gemüse, Salat, Apfelsaft gespritzt, Reis, Fisch, Gemüse, Salat... Irgendwann merke ich, daß ich nicht mehr schlucken kann, es passt einfach nichts mehr hinein. Selbst Nachspülen hilft nicht. Moto weint kontaktbelinst still vor sich hin, von links höre ich leises Stöhnen, Patrick hat die Augen verdreht und blickt, ohne zu blinzeln, in den Halogenstrahler, während er seinen unter dem straff gespannten T-Shirt eingesperrten Bauch streichelt. Auch ich fühle mich schwindelig, rufe die Kellnerin. Zahlen, bitte.

Die nette Bedienung kommt, wir reichen Moto unser Geld, damit er bezahlt: "Alles zusammen, bitte." Und der deliriös wirkende japanische Student macht genau das, was passieren mußte, wenn eine nette Bedienung an den Tisch kommt: Zehn Euro Trinkgeld. Nein, das war ein Irrtum, aber natürlich verbietet es die japanische Art, zuviel gezahltes Geld zurückzufordern. Es sei denn, man arbeitet für die Yakuza.

Keuchend schleppen wir uns auf den Hauptplatz, fahren mit der schunkelnden Bim nachhause, wo Patrick sich ohne ein Grußwort auf sein Bett legt und sich den Bauch haltend einschläft. Tolle Sache, wenn man den Rücken von der Sonne verbrannt bekommen hat und jetzt Bauchweh hat. Wie liegen? Egal, er befindet sich im Koma. Moto und ich stürzen ein paar Whiskys hinunter - er wegen des Alkohols, ich wegen des Alkohols und des Geschmacks. Ja, Glenmorangie ist schon was Feines.

Wie war das nochmal mit Abspecken? Morgen.

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Noch neunzehn Einträge bis zum tausendsten. Joe Cool hat scheinbar Spaß in letzter Zeit, fährt wohl in "Urlaub" und wird wohl Tierforscher werden.

Ich hingegen surfte heute famos, immer schön im Halbwindkurs, manchmal hart am Wind, manchmal kreuzenderweise. Unter der Brücke durch schaffte ich es nicht, da war der Wind einfach zu böig, so daß ich trotz wunderbarer Balance heute - ich landete nur mehr fünfmal im Naß, wobei mich zweimal Mitsurfer hineinkatapultierten, die ihre Masten auf mich fallen ließen - nicht hinausfahren konnte. Ärgerlich. Witzig. Der Sonnenbrand auf den Unterarmen wird immer schlimmer, morgen werden ich mir Bepanthen draufschmieren und auf Besserung hoffen. Bis dahin sonne ich mich noch im Glanz des fünfzehnten Platzes bei der Regatta. Immerhin nicht letzter - das war Moto. Hehe.

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30.5.04


Noch zwanzig Postings, dann sind es glatte 1000. Es gibt Fleissigere als mich, aber 1000 sind 1000 (Sprich: Eintausend). Heute feiere ich jedenfalls meine Auferstehung: Ich war zwar noch immer der Nasseste und Unbalancierteste auf den Weiten des Sees, aber immerhin kann ich wenden, halsen, kreuzen, Vorwindfahren. Letzteres allerdings eher schlecht als recht. Was braucht man mehr. Die Regatta morgen gewinne ich mit Leichtigkeit, wenn ich mich im gleichen Maße weiterverbessere. Aber gut: Die Geschichte mit der Balance stößt mir schon sauer auf. Immerhin ist das reine Kleinhirnaktivität. Fehlt da etwas? Ich weiß es nicht... Vielleicht hat meine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken? Geraucht? Nein, laut ihrer Aussage war das nicht der Fall. Lasse ich das mal auf sich beruhen und trainiere jetzt täglich eine Stunde mein Gleichgewicht, das sollte helfen. Der Sonnenbrand jedenfalls tut schon so langsam weh. Auf den Fußenrücken und auf den Unterarmen. Im Gesicht habe ich mich noch nicht betrachtet, aber das will ich auch gar nicht. Schließlich werde ich älter und älter, ein Prozess, der von der Sonneneinstrahlung nur noch beschleunigt wird. Eine Ahnung vom Sommer, und ich freue mich.

Marina hat außerdem Geburtstag, und ich gratuliere an dieser Stelle, wünsche alles Liebe und erdenklich Gute, daß dieses Jahr besser werden möge als alle anderen zuvor und das, was sich jetzt als gut abzeichnet, sich weiterhin verstärken möge. Wäre ich Senfkorn, würde ich noch ein "Gottes Segen" anhängen, aber den wünsche ich ohnehin allen im Stillen. Außer Ingo. Der ist des Teufels.

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29.5.04


Mein Gott, ich bin so schlecht... Ich hätte von mir bisher nicht gesagt, daß ich in irgendeiner Sportart ein ausgesprochenes Anti-Talent wäre, aber heute wurden mir eindeutig Grenzen aufgezeigt, die nur schwer zu überwinden sein werden. Um Gottes willen: Zuerst einmal war es schweinekalt. Im Wasser trieben noch ein paar Eiswürfel umher, so daß wir uns allesamt in Neoprenanzüge quetschen mußten. Mal abgesehen davon, daß die Dinger schon recht unangenehm riechen, war es dann noch einmal so lustig sich hineinzuzwängen, als sie dann völlig durchnässt waren. Kurz gesagt sah ich heute aus wie eine Wurst auf einem Brett mit einem Stück Stoff vor Augen, obwohl ich eigentlich mehr schwimmenderweise unterwegs war. Es gab zwar keinen Wind, aber das Gleichgewicht wollte sich auch bei absoluter Flaute nicht einstellen, so daß ich ungelogen mehr als dreißig mal im Wasser landete. Meine direkten Konkurrenten im Preis um die goldene Zitrone wurden von mir in diesem Zahlenwert eindeutig abgehängt, die lagen nämlich nur sechs- oder siebenmal in der Eiswürfelbrühe. Da geht man jahrelang in den "Jonglieren und Equilibristik"-Kurs, nur um dann festzustellen, daß man so überhaupt keine Balance hat. Ich frage mich, was das soll. Zum Schluß hin ging es dann zwar ohnehin etwas besser, aber wirklich gut war da gar nichts. Natürlich werde ich morgen wieder hingehen, um mich vor den Augen der FKK-Strandbesucher von Brett und Rigg demütigen zu lassen, sollte es aber so weitergehen wie es sich heute angelassen hat, streiche ich die Segel und sonne mich am Montag lieber lernenderweise auf der Dachterrasse. Erniedrigen Sie Variable X: Du wertloses Stück Schleim... So ein Scheiß.

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Arschkalt draußen. Grauer Himmel. Windstill. Ich würde mal sagen, einen perfekteren Tag zur Erlernung des Windsurfens konnte man sich kaum aussuchen. Gott verspottet mich, es muß ihn also doch geben. Sollte ich das heute überleben, werde ich dennoch eine Kerze entzünden und dem Schöpfer danken.

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28.5.04


Per SMS werde ich über den ersten Zoobesuch von Joe Cool auf dem Laufenden gehalten. Liebt Nilpferde, schläft in Bollerwagen, spricht mit Orang-Utans, kreischt mit Papageien. Cool.

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Das Wetter ist so schlecht wie meine morgendliche Laune - Dauerregen scheint sich im Grazer Tal der Ahnungslosen eingenistet zu haben, und die Luft ist so schneidend kalt, daß man sich im Spätherbst wähnt. Der Surfkurs am Pfingswochenende wird somit zu einer Zitterpartie im wahrsten Sinne des Wortes, denn der schneidige, assitoastergebräunte Instruktor verschickte heute, wohlwissend um die schwindende Motivation aller Teilnehmer, E-Mails, in denen stand, daß der Kurs in jedem Fall stattfinden würde. Auf dem Brett würde uns schon warm werden. Ich freue mich also schon mal auf die sich mit Sicherheit in Bälde einstellende Lungenentzündung; Krankenhausaufenthalte finde ich toll. Kompressionsstrümpfe, tägliche Monoembolex-Spritzen, piepsende Gerätschaften wie Perfusoren oder Pulsoxymeter; wenn, dann möchte ich gleich das volle Programm. Und das als gesetzlich Krankenversicherter im Ausland. Halleluja.

Was allerdings noch viel unterhaltsamer ist, ist der Umstand, daß die Bauarbeiten, wegen denen ich sommers mein Domizil hier im sonnigen Süden, von dem heute so gar nichts zu sehen ist, aufgeben muß, schon angefangen haben. Das gesamte Erdgeschoß sieht aus wie ein Schweizer Käse mit riesigen Löchern in den Wänden, der Presslufthammer und Meißel trennen ganze Wände heraus. Der Metallschneider kreischt ab halb acht, und man hat fast den Eindruck, daß es den Bauarbeitern Freude macht, das faule Studentenpack mit lautem Baulärm aus dem Bett und aus dem Haus zu jagen. Ich erwäge, ihnen in die Gulaschkanone zu pinkeln und ein Röhrchen mit Escherichia coli hineinzumischen. Wären die Fratzen da unten nicht allesamt gegen noch billigere Arbeitskräfte aus dem Osten oder Südosten der EU austauschbar, ich würde es tun. Würde man das schon als Klassenkampf bezeichnen?

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Psychologen sind schon ein seltsames Volk; darum mußte ich mir das glatt ansehen, als das Fest der Feste angekündigt wurde: Von Psychologen für Psychologen. Und anderweitige Gäste. Das Programm war bunt gemischt: Live-Musik, "Sprechstunde" (Professoren schenken Getränke aus), Feuershow und die Verlosung eines Autos für eine Woche inklusive des Treibstoffes. Hot Stuff & TNT sowie "Septim Orange" (Ries, wie schwul seid ihr eigentlich?) spielten auf, mit wechselnden Sängerinnen, von denen eine schlecht, die andere gut war, was man aber ohnehin kaum hörte, weil der Sound im Innenhof des Psychologieinstituts so erbärmlich war, daß es einem die Tränen in die Augen trieb. Desweiteren regnete es, was dazu führte, daß sich unter den aufgestellten Zelten Massen von Leuten drängelten, die sich in ihrer Vielfarbig- und Andersartigkeit folgenden Gruppen zuordnen ließen:

1. Da gab es also mal die Ökoschlampen; männlich und weiblich, die in Grüppchen zusammenstanden. Deren Körpergeruch brachte mich dazu, ein Weilchen im Regen zu verharren und einen Anflug von Übelkeit niederzuringen. Wie, bitte, können diese Menschen Sex haben? Dürfen die das überhaupt? Diese Gruppe zeichnete sich durch uniform "alternative" Bekleidung aus: Cargohosen, Sportschuhe, quer umgehängte Taschen, Topffrisuren, die möglichst nach Unfrisuren aussehen sollten, und Trainingsanzugoberteile, wie ich sie schon in den späten siebziger Jahren haßte und doch anziehen mußte. Der Geruch, der deren Haupthaar umwehte, erinnerte mich an ranzige Butter. Oder ganz einfach ungewaschene Leiber. Ich gebe es zu, ich lege schon Wert auf Körperhygiene. Nennt mich oberflächlich.

2. Die gestylten, overdressten Businessweibchen und -männchen, die sich eingefunden hatten, um zu schauen, was das einfache Volk für Feste feiert. Wie schon die Gruppe der Ökoschlampen standen sie in Grüppchen umher, versicherten sich gegenseitig ihrer Einzigartigkeit, während die Männer an ihrem Bier nippten und die Frauen am "Wahnsinnscocktail", den die Profs mit großen Kellen aus einem metallenen Bottich schöpften, nuckelten. Man unterhielt sich über die Hochschulpolitik, den Aktienindex, über Call- oder Put-Optionen und das Golfoutfit der kommenden Saison. Glücklicherweise hielten die Dumpfbacken es nicht allzu lange im Nieselregen aus, und bald war diese Gruppe auf wenige, angetrunkene Exemplare reduziert, die sich dann sogar unter die Gruppe "Ökoschlampen und anderes Getier" mischten. Am auffälligsten war dabei "Barbie", die mit ihrem pinkfarbenen Jäckchen und dem Röckchen ihre spindeldürre Figur bedeckte, während sie vom Gesicht her so wirkte wie Michael Jackson nach der zehnten Gesichts-OP. So straffe Haut direkt auf dem Schädelknochen, das habe ich selten vorher in dieser Deutlichkeit gesehen. Eine Traumfrau.

3. Die Aussteiger. Lederklamotten tragendes, lichtscheues Volks, vor dem ich mich fürchtete; geht man an einem von ihnen vorbei, sollte man sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob man sich nicht schon alleine durch das unabsichtliche Berühren der Kleidung mit sämtlichen bekannten und noch unbekannten Geschlechtskrankheiten infiziert hat. Sie üben auf postpubertäre kleine Mädchen eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus; diesen Mechanismus hätte ich gerne mal von einem Psychologen erklärt bekommen, aber gestern war niemand dazu imstande.

4. Da gibt es dann noch die Gruppe der Bibliotheksgänger und -bewohner. Völlig überfordert vom bunten Treiben standen sie verschüchtert in den Ecken, blickten bebrillt auf das, was sie so selten zu Gesicht bekommen - Menschen. Als der Alkohol dann wohl seinen Weg in die Blutbahn gefunden hatte, taute diese Gruppe allmählich auf und begann, mit Ausdruckstanz vor der Bühne auf sich aufmerksam zu machen. Ein Heidenspaß. Noch ein Bier für meine neuen Freunde, auf daß ihr Euch den Staub der Bücher aus dem Haupthaar schütteln möchtet. ("Oooh, Baby, schüttel Dein Haar für mich...")

5. Wie immer stellten sich dann gegen zwei die mittelalten Abschlepper ein, diejenigen also, die im normalen Leben niemals ein junges Mädchen dazu bringen würden, sich für sie zu interessieren. Sie suchen sich ein paar angetrunkene Exemplare aus, vergehen sich quasi schon in aller Öffentlichkeit an ihnen und versuchen, durch vermeintlich freundliches Gehabe, die Alkoholleiche in ihr Domizil zu führen und dort zu schänden. Erstaunlicherweise ist diese Taktik der alkoholischen Nekrophilie scheinbar häufiger von Erfolg gekrönt, aber letzten Endes ist hier jeder für sich selbst verantwortlich, und wenn sogar die beste Freundin jegliche Kontrollfunktion verloren hat, dann hat man sich auch den Schrecken am Morgen danach verdient.

Tja, und dann war da noch irgendwie ich mit ein paar anderen dort, die sich keiner dieser Gruppen zuordnen lassen. Und somit gehöre ich dann wohl zur Gruppe der deplazierten Beobachterspezies, den Langweilern, die sich mit einem antialkoholischen Getränk in der Hand die Musik anhören und etwas quatschen wollten, es dann aber doch nicht taten, weil der Regen und das kalte Wetter die Laune spürbar abkühlten. Mein Gott, war eh fast umsonst, von daher nächstes Mal wieder. In the year 2525, when man is still alive...

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27.5.04


Carepaket eingetroffen. Fünfundzwanzig Kilo Schokolade. Normalerweise sind ja Männer Feeder; manchmal ist es scheinbar auch umgekehrt. Ich möchte hier einen den größten Sänger und Lebemänner des letzten Jahrhunderts zitieren: "Dankedankedankedankedanke." [Luciano Pavarotti]

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Gibt es die Liebe auf den ersten Blick? Für Blinde?

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26.5.04


Graz erzählt. Eine kleine Geschichte beispielsweise, die harmloser und gewissermaßen auch dämlicher nicht sein könnte, die mir aber trotzdem nicht aus dem Kopf gehen will:

"Was ist der Unterschied zwischen Himmel und Hölle?", fragte er. Da nahm sie ihn an der Hand und ging mit ihm in einen Raum. In diesem Raum saßen Menschen, vor denen eine Schüssel mit Essen stand. Die Menschen aber sahen krank und schlecht genährt aus. Und da sah er, daß die Löffel, mit denen sie essen sollten, zu lang waren, so daß sie sie nicht bis zum Mund führen konnten. Und so blieb das Essen, so gut es auch roch, so sehr sie sich auch anstrengten, es zum Mund zu führen, ungegessen. "Das also ist die Hölle.", stellte er fest.

Da nahm sie ihn neuerlich an der Hand und ging mit ihm in einen anderen Raum. Auch in diesem Raum saßen Menschen, vor denen eine Schüssel mit Essen stand. Diese Menschen aber sahen weder krank noch schlecht genährt aus. Ganz im Gegenteil. Und auch bei ihnen sah er, daß sie die gleichen Löffel hatten, wie diejenigen, die in der Hölle waren. "Warum ist es hier so anders als in der Hölle? Warum ist das der Himmel? Warum geht es ihnen hier gut?", fragte er. Sie lächelte und sagte nur: "Sie füttern einander."

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Aufgrund eines gesundheitlichen Ausfalls, bestand die heutige Aufgabe wohl eher darin, sich nicht den ganzen Tag im Bett zu verkriechen und vielleicht auch mal den einen oder anderen Blick in ein Buch zu tätigen. War ich also gestern vornehmlich damit beschäftigt, den Gedankenfocus nicht allzu sehr zu verstellen, mußte heute ein kleiner Energietransfer erfolgen. Da ich nun ein authentischer Alternativer bin, folgt hier die zweite Playlist dieser ereignislosen Tage:

01. Tomoyasu Hotei - Battle without honour
02. Farin Urlaub - Jeden Tag Sonntag
03. Gwenmars - Venus
04. The Toasters - Don't let the bastards grind you down
05. Anouk - Are you kiddin' me
06. The Darkness - I believe in a thing called love
07. Republica - Drop dead gorgeous
08. Jimmy Eat World - Sweetness
09. Mia - Kreisel
10. Farin Urlaub - Wunderbar
11. Red Hot Chili Peppers - Otherside
12. Black Eyed Peas - Hey Mama
13. Liquido - Narcotic
14. No Doubt - Ex-Girlfriend
15. Placebo - Every you, every me
16. Heinz Rudolf Kunze - Dein ist mein ganzes Herz
17. Wir Sind Helden - Müssen nur wollen
18. Benji - Ganja smoker
19. Molotov - Gimme tha power
20. Cake - I will survive
21. Hot Chocolate - You sexy thing
22. Puddle Of Mudd - She hates me

Jetz' aba... Von wegen alternativ und so...

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Auch auf die Gefahr hin, mich hier musikalisch zu outen und gänzlich zu einer unmöglichen Person zu werden, so lausche ich heute abend während des Lernens, das sich nun schon über etwas mehr als acht Stunden hinzieht, unter anderem folgender Playlist:

01. Ganz Schön Feist - Du willst immer nur ficken
02. Bandits - Catch me
03. Glashaus - Was immer es ist
04. Slovo - Whisper
05. Tiger Lou - Like you said
06. The Stone Roses - Waterfall
07. The Delgados - Coming in from the cold
08. Super Furry Animals - Juxtaposed with U
09. Stereophonics - Getaway
10. Jimmy Eat World - Hear you me
11. Reamonn - Supergirl
12. R.E.M. - Nightswimming
13. Mum - Green grass of tunnel
14. Tindersticks - Tiny tears
15. Wolfsheim - Kein zurück
16. Sting - Shape of my heart
17. Sparklehorse - Eyepennies
18. Weezer - Only in dreams

Na gut, nicht alles berühmt, vieles sicherlich zu ruhig oder mainstreamig (Wer hat das eigentlich zu entscheiden?), aber immer noch besser als ein paar von Engelberts Kompilationen... Nichts für ungut, mein Bester, denn immerhin ist Musik auch eine reine Geschmacksfrage, über die man eigentlich nicht streiten kann und soll.

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24.5.04


Nun gut, mein Fahrrad ist also unwiederbringlich verschwunden - ich fand immerhin die traurigen Überreste des durchtrennten Spiralschlosses, die unmotiviert am Metallzaun, wo ich es vermeintlich sicher angekettet zurückgelassen hatte, umherbaumelten und grüblerisch vor sich hin oxidierten. Die lachende Sonne schien, mich verspotten zu wollen, während sie die Szenerie malerisch verträumt beleuchtete und mich neuerlich als Fußgänger brandmarkte. Der Termindruck allerdings verhinderte, daß ich mich allzu lange in Gedanken an diesen neuen Umstand festhalten mußte; stattdessen blicke ich mit dem nicht blutgefüllten Auge durch ein Mikroskop, wobei die Erfolgserlebnisse heute mal nicht allzu lange auf sich warten lassen, was ich wohlwollend bemerkte. Aber wenn ich noch einmal jemanden davon reden höre oder schreiben sehe, wie perfekt derjenige etwas verfaßt hat, gemacht hat oder wie perfekt derjenige sich überhaupt vorkommt, werde ich demjenigen einen Fluch an den Hals wünschen, der ihn dazu bringen möge, an seiner eigenen Hybris zu ersticken. Was dann mit meinem Karma passiert, soll mir dann auch einmal scheißegal sein. You're goin' down, Charlie Brown; that's crazy talk.

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Spät nachts bin ich normalerweise immer ruhig. In mir kommt dann alles zur Ruhe, ich kann mich selbst fast von außen betrachten und verstehen, das Leben, andere Menschen so, als gäbe es dann etwas wie eine Bedienungsanleitung, die einem nahelegt, wie man mit einer Situation umgehen sollte oder könnte. Heute ist es nur leider nicht so. Stattdessen bin ich absolut ärgerlich, wütend, enttäuscht; und das alles völlig sinnloserweise. Die Heftigkeit dieses Gefühlsausbruches ist umso erstaunlicher, als es für ihn rational gesehen überhaupt keinen Grund gibt, aber scheinbar befindet sich jeder Rest klaren Verstandes heute auf Fronturlaub. Immerhin dachte ich, ich würde ein paar Dinge vielleicht besser verstehen, wenn ich nur etwas Abstand gewinnen könnte, aber eben das scheint völlig unmöglich zu sein. Absolut unbefriedigend, und auch das Schreiben an sich bringt mich keiner Lösung näher.

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23.5.04


Ein paar Sachen begeistern mich, erleichtern mich, erheitern mich, ein paar besorgen mich, beschweren mich, betrüben mich, ein paar kotzen mich auch einfach nur an. Und so liege ich gefällt auf der regennassen Wiese, während aus meinem Auge dunkelrotes Blut auf die Halme tropft, frage mich, was ich hier eigentlich treibe, was mich überhaupt noch treibt, wenn ich denn überhaupt treiben wollte. Die Gedanken drehen sich, die Angst würgt mich, das Leben bescheißt mich. Um die Dinge, die mir wichtig sind. Oder die es sein sollten.

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Gelobt sei der Grazer Verkehrsbund, der alle verlorengegangenen Schäfchen einsammelt und in aller Stille brav nachhause führt. Wo habe ich jetzt mein Fahrrad vergessen? Gestern der verlorene Schlüssel, heute das verlorene Fahrrad. Ich werde halt doch langsam alt...

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22.5.04


Pummelige Menschen mit lustigen Mützen auf dem Kopf und seltsamer Sportausrüstung am Körper, die in unregelmäßigen Abständen einem kleinen Ball hinterherrennen und ihn sich gegenseitig zuwerfen: Das klingt nach dem richtigen Sport für mich. In jugendlichem Übermut hat Moto sich und mich zu einem Turnier bei den Dirty Sox, der Grazer Baseballmannschaft, angemeldet. Man kann sich auf deren Seite über die Regeln des Spiels informieren, aber seit gestern Abend überschüttet Moto mich mit den taktischen Finessen des Spiels, von dem ich zwar annehme, daß es ganz witzig sein könnte, das ich allerdings nach wie vor als ödes Herumstehen auf einem heißen, sonnenbeschienenen Acker bezeichnen würde. Warten auf den Ball. Der nicht kommt. Plonk.


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21.5.04


Lecker. Ich kann's mir zwar nicht leisten, aber dann werde ich halt eingeladen. So einfach ist das manchmal.

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Das erste sommerliche Gewitter über Graz. Ein warmer, sonniger Tag, ein lautes Gewitter, während dem die Sonne weiterschien. Wolkenbruchartiger Regen. Die Luft ist geladen, sauber, frisch, fast schon jungfräulich. Der Staub in der Luft ist fortgewaschen, das gefällt mir. Der Sommer darf kommen.

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Graz, la citta e deserta (Fehlende Accents bitte ich zu übersehen, ich bin mir der korrekten Schreibweise durchaus bewußt; allerdings nimmt mir Blogger samt Windows diese ewige Accenttour etwas krumm, will mir scheinen.). Der gestrige Feiertag, der heutige "Tag des Rektors", das alles führt dazu, daß der Großteil der Studenten die Stadt verlässt. Fast wie die Ratten ein sinkendes Schiff. Zurück bleiben die Einheimischen, Alte, Kranke, Kinder. Diejenigen, die normalerweise in sinkenden Schiffen bevorzugt und zuerst in die Rettungsboote verfrachtet werden. Aus diesem Grund hatte ich die Hoffnung, abendlich in einem nicht völlig überfüllten Lokal zu landen, und so warf ich sämtliche frühabendlichen, frommen Vorsätze über Bord - früh schlafengehen, noch früher aufstehen - und mich ins Nachtleben. Die mitternächtliche Pizza war ein Gedicht, der Wein war es weniger, der Mojito riss es dann wieder heraus, aber letztlich fehlen mir die Stunden zwischen eins und drei. Doch noch zuviele Menschen, zu laute Musik, zu gute Getränke und wie immer keine Uhr, um dem Ablauf soetwas wie eine chronologische Ordnung zu verpassen, so daß sich einmal mehr keine klar strukturierte Erinnerung im Gedächtnis festsetzt. Lediglich dieses warme, zufriedene, satte Gefühl. Zu guter letzt verzog ich mich auf den Schloßberg, um dem Sonnenaufgang über der Stadt, mit der sich mein Schicksal auf Gedeih und Verderb verbunden zu haben scheint, zuzusehen. Innerlich fühle ich mich so ruhig und leer wie schon seit langem nicht mehr. Ein strahlender Tag zieht heran, und obwohl mir ein paar Dinge wirklich fehlen, fühle ich mich hier am Ende der Welt einmal mehr gut aufgehoben.

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20.5.04


Die Sonne schien am gestrigen Tage warm, die Luft war weich und samtig, und Moto und ich beschlossen, einen Teil des Tages auf dem Rücken eines Drahtesels zuzubringen. Völlig nichtsahnend, in welche Ödnis uns diese Fahrt ins Nichts führen würde, strampelten wir uns ziellos den Teufel aus dem Leibe, um nach zwei Stunden an einem nahegelegenen See zu landen, in dem Forellen von der Größe kleiner Hunde in der Nähe des Ufers unbehelligt und unmotiviert umherschwammen, dessen Wasser so angenehm kalt nach der anstrengenden Jagd durch Wald und Wiesen war, daß ich mich mit Vergnügen hineingestürzt hätte, und der auf den Namen "Schwarzlsee" hört und in Graz als Naherholungsgebiet gilt. Allein die vielen mittelalten Damen, die sich in Begleitung von mittelalten Herren mit silbrig schimmerndem Brustpelzbesatz und leuchtend weißen Bierbäuchen ihrer Oberteile entledigt hatten, hielten mich davon ab, hier länger zu verweilen.

So benetzte ich meine geschundenen Beine, kühlte das heiße Blut durch ein ausgiebiges Fußbad und versank ob des Anblicks von Wasser einmal mehr in Gedanken über das Leben und seine Tücken. Ich frage mich, warum es mir immer wieder passiert, daß ich fast schon reflexartig über mich selbst reflektieren muß, wenn ich das Meer oder einen See sehe, der nur etwas größer ist als der übliche Gartenteich im grünen Paradies für Vorgartenzwerge eines Kleinstädters.

Der Rückweg gestaltete sich unerklärlicherweise trotz intensiver Studie des Kartenmaterials als ungleich schwieriger, so daß ich nach vier Stunden reiner Radfahrzeit (und das auf dem ächzenden, quietschenden Drahtesel, den ich erst kürzlich gebraucht erstanden habe) auf der Schwelle des JKH zusammenbrach. Moto wurde mit einer kleinen Glucose-Infusion wieder aufgepäppelt und erwachte nach einer halben Stunde aus dem Koma. Der Frühling in Graz ist die schönste Jahreszeit; wenn es nicht zu heiß ist, wenn man sich auch mal ein paar Stunden im Freien aufhalten kann, ohne in der Hitze zu verwelken wie ein Grashalm in der Wüste. Und man mag es nicht glauben, aber auch das Grazer Umland ist in jedem Fall eine Reise wert. Und jetzt ist es auch schon genug mit der Werbung für Österreichs heimliche Liebe.

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19.5.04


Bittere frühmorgendliche Erkenntnis: Ich bin einfach kein Morgenmensch. Natürlich ist sie wieder da, die anhaltende, altbekannte Schlaflosigkeit, die mich gefühlsmäßig in einen dicken Wattebausch einpackt, während das tobende Leben um mich herum weiter seinen üblichen Gang nimmt. Alles klingt so, als würde ich es durch eine dicke Wand hören; selbst eine Feder fühlt sich tonnenschwer und rauh wie Sandpapier an. Ab und an liege ich auf dem Bett, döse vor mich hin, nur um kurz darauf wieder aufzustehen und mein vor seiner Zeit gealtertes Antlitz zu betrachten. Ja, die ersten Falten, da sind sie. Ich begrüße sie und gebe jeder einzelnen von ihnen abscheuliche Namen.

Wie dem auch sei: In aller Frühe kreischt der Wecker neben meinen gerade erst im tiefen Schlummer abgestellten Ohren, reisst mich aus den zarten Anbandelversuchen mit den vollbusigen Musen der Träume. Völlig verwirrt, mit zerzottelten Haaren und Bartstoppeln, die andere als solche vielleicht nicht identifizieren würden, die für meine Verhältnisse fast schon samsonische Länge erreicht haben, öffne ich die Augen gefühlsmäßig mit einem Stemmeisen, torkle durch die Wohneinheit, wo ich schlaftrunken mein Colgate-Lächeln auf Vordermann bringe. Der Weg hinunter zum Fahrrad ist gekennzeichnet von Umziehversuchen im Lift, weil ich tatsächlich sämtliche Oberbekleidung auf links (So sagt nennt man das doch...) übergestreift habe. Morgendliche Jogger und zur Straßenbahn schleichende Rentner auf dem Weg in den Supermarkt werden von mir gnadenlos abgeräumt und landen im Straßengraben oder den Hecken, die zwischen den Jägerzaunlatten hindurchsticht, während ich, leise Schnarchgeräusche von mir gebend, in Richtung Universität eiere.

Im Keller ebenjeniger findet das zu nächtlicher Zeit angesetzte Briefing zum Surfkurs statt. Anwesenheit ist Pflicht, so stand es auf den Zetteln. Dort angekommen erwarte ich die Theorieschulung oder etwas ähnlich Geartetes. Ein zackiger, sonnengebräunter Glatzkopf stellt sich dann allerdings, während ich heldenhaft den ewigen Kampf gegen Morpheus für mich entscheide (Wer muß da noch !Troja! im Kino schauen? Die wahren Helden leben mitten unter uns.) vor der Gruppe auf, stellt die Vollzähligkeit fest, fragt allen Ernstes, ob es Nichtschwimmer unter uns gäbe, denn die könnten leider nicht mitmachen. Der Termin, das Pfingswochenende, wird noch einmal allen Anwesenden ins Gedächtnis gerufen. Und das war es auch schon. Danke fürs Kommen. Moment. Ich habe da etwas nicht mitbekommen, könnten Sie das wiederholen? Ich bin aufgestanden, nachdem ich es einmal fast in eine Tiefschlafphase geschafft hätte, bin ungeduscht und unrasiert durch die Nacht gejagt, während die kühle Morgenluft die mühsam angesammelte Bettwärme zur Gänze aus meinem Körper hinausgetrieben hat, und dieses Martyrium nahm ich auf mich wegen dieser Selbstbeweihräucherungsshow?

Ich überlege ernsthaft, ob ich den Knilch, der sich damit brüstet, immerhin schon seit 30 Jahren zu surfen, skalpieren sollte. Seine blanke, spiegelnde Kopfhaut würde sich gut an meinem Türrahmen machen und vorlaute Besucher frühzeitig einschüchtern. Die Vernunft kehrt wieder - wenigstens ging es schnell, jetzt rasch nach Hause, noch ein wenig ausruhen, bevor der Ernst des Tages beginnt. Es kommt, wie es kommen muß: Der Schlaf flieht, die Zeit rinnt mir durch die Finger, ich bin nicht klüger geworden, und niemals nie werde ich je wieder auf eine Vorbesprechung gehen. Wozu auch immer.

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18.5.04


Nennen wir es mal Eu-Streß, was ich zur Zeit erlebe. Freudige Erwartung und Nervosität gepaart mit eifriger Geschäftigkeit. Normalerweise erscheint es mir so, daß es für mich existenziell wichtig ist, ruhig, mit Zeit und Muße mein Leben leben zu können. Zeit zu haben für den Augenblick, den ich dann mit einem Mittelmaß an Langeweile und innerer Reflektion vorübergehen lasse. Nur manchmal erfasst auch mich ein Tatendrang, der mir fast schon wieder unheimlich wird: Die Universität mal wieder häufiger mit Anwesenheit beehren, an sportlichen Aktivitäten teilnehmen und frischgefasste Vorsätze in die Tat umsetzen. Natürlich ist ein solches Gebilde fragil, aber ab und zu ist es auch wieder erfreulich, wenn man merkt, daß man in sich doch noch Kraft zur Veränderung finden kann.

Die Forderung des heutigen Tages: Alten Leuten sollte man das Besuchen von Supermärkten verbieten dürfen.

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17.5.04


Die Prüfung rückt näher, ich werde zunehmend nervöser, wenn ich mir den Stand meines Nichtwissens betrachte. Morgen beginnen die Mikroskopierstunden, um meine histologische Differenzialdiagnosen zu perfektionieren, allerdings fehlen mir von den Grundlagen her doch noch so einige Extras. Das Belauschen von Prüfungen ist auch nicht sonderlich ermutigend, auch wenn die Prüferin mir persönlich zusagt. Kein Grund also, mich vor einer weiteren körperlichen Auseinandersetzung mit einem Professoren zu fürchten, die mich dann dazu bringen würde, nach Sierra Leone auszuwandern, um dort mein Glück zu versuchen. Gibt es auf den Seychellen eigentlich eine Universität?

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16.5.04


Ein Tag wie "Wäh" geht zuende. Und es gibt wohl niemanden, der mir verraten könnte, warum jedesmal, wenn ich meine Bücher aufschlage, Bleigewichte daran befestigt scheinen und mir ein kleiner Mann im Ohr ein Schlaflied singt? Verdammt.

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Im Februar vor fünf Jahren kam es in New York zu einem tragischen "Unfall", bei dem der 22-jährige, unbewaffnete, dunkelhäutige Immigrant Amadou Diallo von vier Zivilpolizisten mit 41 Schüssen, von denen 19 ihr Ziel trafen, in einem Blutbad erschossen wurde. Die Polizisten wurden ein Jahr später von einer Jury von allen Vorwürfen freigesprochen. Das Opfer hätte nach einer Waffe gegriffen, so verteidigten sich die Polizisten.

Vor fast genau vier Jahren, nachdem das Urteil der Jury rechtskräftig wurde, hat Bruce Springsteen das Lied "American Skin (41 Shots)" geschrieben und aufgeführt. Die Reaktionen waren ähnliche, wie man sie auch heute aus Amerika kennt: Bürgermeister Giuliani, der bei den Terroranschlägen in New York ins Rampenlicht der weltöffentlichen Aufmerksamkeit rückte und so zu Ruhm gelangte und der für seine harte Vorgehensweise gegen Verbrechen berühmt-berüchtigt war, versuchte schon damals, die künstlerische Freiheit und die freie Meinungsäußerung zu untergraben, indem er das Lied verbieten lassen wollte. Polizistenvereinigungen äußerten sich wütend, Polizisten verweigerten bei Konzerten, in denen das Lied gespielt werden sollte, ihren Dienst. Eigentlich hätte man es kommen sehen können: "The land of the free", das wird es bleiben, ein Traum, wenn auch ein amerikanischer.

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Jajaja. Was der Spiegel zum Song Contest schreibt, möchte ich bitte unterschreiben. Auch die Schlußbemerkung, daß die Balkanländer zuerst wohl gegeneinander Krieg führen müssen, um sich dann gegenseitig die Punkte beim Song Contest zuschanzen zu können, fand ich bemerkenswert. Und so erklärt sich auch, warum Serbien mit einem derart bescheuerten Lied ganz vorne mit dabei war. Die wissen halt auch nicht, was sie wollen, sich gegenseitig die Köpfe einschlagen oder sich slawisch-brüderlich mit Küssen eindecken. "We love you". Ja, gern haben könnt ihr uns.

Und wenn ich lese, daß "wos host g'sogt" inzwischen auch von Ausländern bei Sprachtests verstanden werden muß, verstehe ich gar nichts mehr und schließe die Spiegelseite mit einem Klick.

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Nelson Mandela hat es geschafft, die Fußball-Weltmeisterschaft wird 2010 in Südafrika ausgetragen. Das freut mich irgendwie, nachdem Afrika bislang noch keine derartige Großveranstaltung organisieren durfte. "Lasst uns alle rausgehen auf die Straßen und feiern." Da freut sich sogar Desmond Tutu.


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Was war da schon wieder los? Warum gewinnt die schreiende Kartoffelnasenpeitschenfrau aus der Ukraine mit ihrer "Dschingis Khan"-Nummer den Song Contest? Kann mir das mal jemand zufriedenstellend erklären? Österreich rettet sich mit zwei Wertungen (Frankreich und Griechenland) vom letzten Platz auf Rang 21. Und wenn ich das mal so sagen darf, dann hätten wir aus Albanien, wo immerhin die höchste Dichte an Mercedesfahrern herrscht, auch ein paar Punkte bekommen müssen. Stattdessen bleibt es bei der Punktevergabe beim alten Schema: Slawische Ländern geben einander Punkte, und selbst Dänemark verweigert Deutschland einen Wertungspunkt. Dafür kommt Serbien-Montenegro mit einem so beschissenen Lied auf einen der vorderen Ränge, daß man sich nur fragen kann, ob vielleicht serbische Hacker das Televoting-System in ganz Europa sabotiert haben. Wäre ich ein Außerirdischer, der in den Orbit um die blaue Murmel eingeschwenkt ist, und hätte die Übertragung heute auf meinem Sichtschirm verfolgt - moderiert unter anderem von einem "Bela Lugosi"-Double - würde ich mir verwundert durch die Antennen fahren. Um diesen Planeten würde ich aufgrund seines Musikgeschmacks unbedingt einen großen Bogen machen, die spinnen, die Europäer...

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15.5.04


Es fühlt sich gut an, Vergangenheit hinter sich zu lassen. Loszulassen, Störendes zu eliminieren, weil man etwas Neues gefunden hat, das einen ausfüllt. Zur Gänze. Vielleicht merke ich erst jetzt, wie satt ich das alles hatte und habe. Und diese neue Form des Hoffens auf Besseres ist in jedem Fall bereichernd, verstörend betörend.

Sollte sich noch irgendwann einmal eine der überflüssigen, offensichtlich unterbeschäftigten und frustrierten Personen dazu aufschwingen, mir wegen S. und den Meldungen auf ihren altrosafarbenen - oder einer der anderen zahlreichen und nicht minder geschätzten - Seiten eine Mail zu schreiben, verschwendet diese Person ihre und meine Zeit und Energie. Ich äußere mich nicht dazu, selbst wenn die Mails, die ich bekommen habe, von so boden- und grenzenloser Beschränktheit Zeugnis ablegen, daß es fast schade ist, sie nicht zu veröffentlichen; S. mag die Dinge sehen, wie sie will, sie mag schreiben, was sie will, es sind ihre Seiten, es ist ihr Leben, das sie derart öffentlich macht, aus welchen Gründen auch immer. Ich sehe ein paar, die meisten Dinge anders als sie, aber was das genau ist, das geht niemanden etwas an. Wäre das von Belang, hätten wir eine funktionierende Beziehung, und da das sicherlich nicht so war und ist, brauche ich keinerlei Streitgespräche mit Menschen führen, die meinen, das besser beurteilen zu können. Solche Dinge bespreche ich nicht im Internet, wo es jeder lesen kann, soetwas berede ich mit den Menschen, die mir etwas bedeuten oder die mehr kennen als die einseitigen Schimpftiraden, die ab und zu über mich losgelassen werden. Ich betrachte dieses Kapitel meines Lebens als beendet, und wenn das ein paar Uneinsichtige nicht verstehen wollen, ist das deren Privatvergnügen. Allenfalls bringen mich deren Verbalrülpser zum Lachen, darum sollte man sich Schreiben an mich mit oben genannten Inhalten sparen. Das schrieb ich schon öfter, das ist das letzte Mal, daß ich mich dazu äußere. Ich bedanke mich.

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14.5.04


Nachdem ich morgen voraussichtlich einiges zu tun haben werde, nutze ich den heutigen abendlichen Leerlauf, um meinen Tip für den am Samstag stattfindenden Eurovision Song Contest (Alle Teilnehmer, alle Lieder inklusive Videos.) abzugeben. 36 Länder haben sich beworben, nur 24 haben es ins Finale geschafft. Natürlich klammere ich "unseren" Max mal aus, denn das Lied habe ich im Radio mittlerweile schon so oft gehört (Selbst in Österreich!), daß ich es nicht mehr bewerten kann. Ist es gut, ist es schlecht, ich weiß es nicht. Ist mir auch egal: Hören will ich es jedenfalls nicht mehr. Meine Platzierungen fangen beim meiner Meinung nach "schlechtesten" Lied an und reichen bis zu meinem "Favoriten", dem ich, riefe ich aus Deutschland an, die 12 Punkte zusprechen würde. Das bedeutet nicht, daß ich die Musik gut finde, da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Allgemein ist nur zu sagen, daß die Qualität der Wettbewerber sich zunehmend und deutlich verschlechtert und alles inzwischen ähnlich, fast schon geklont klingt - von Inspiration jedenfalls ist schon lange nichts mehr zu sehen. Zudem sind keine wirklichen Spaßbeiträge dabei - mal von den Polen abgesehen, aber das ist wohl auch eher unbeabsichtigt - so daß sich der reine Unterhaltungswert weiter vermindert hat. Dennoch gibt es wieder ein paar Ausreisser, die schon wieder so schlecht sind, daß sie wieder ganz weit oben bei mir landen. Ich weiß, das Ganze ist eine äußerst präzise, vollkommen wertneutrale Wertung, die ich hier abgebe. Möchte wer Wetten abschließen?

Zu meiner Voting-Liste.

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13.5.04


Nächtliche Zugfahrt oder "Wie ich lernte, Mannheim zu hassen"

Es gibt auch billige Zugverbindungen, wenn man sich nur auf die Suche nach ihnen begibt. Und so kann man auch mit kleinem Budget eine große Reise machen. Der Zug fährt beispielsweise in Wien los; eine Gruppe mittelalter Personen steht schon eine halbe Stunde vor der Abfahrt am Bahnsteig. Natürlich kann man trotz des warmen Wetters nicht an der frischen Luft warten, man versucht also, die abgesperrten Türen zu öffnen. Zunächst noch mit Feingefühl; da sich die Türe aber nicht öffnen lässt, wird man etwas rabiater und schlägt auch mit den Händen gegen das kalte Metallexoskelett, das uns alle nachher hoffentlich unbeschadet an unsere Destination bringen wird. Das ficht diese armen Seelen - oder doch eher Seelenlosen - nicht an. Ich trete näher an die Gruppe heran, die ich zuvor mit der Neugierde eines Affenforschers, der eine Gruppe Berggorillas im Mukabe-Nationalpark mit einigem Abstand verfolgt, beobachtet habe.

Ich lausche den Stimmen, die seltsam unverständliche Worte formen, bis es mich wie ein Schlag trifft. "Mannheimer", denke ich, und die Furcht kriecht kalt an meinem Rückgrat herauf. Nichts Gutes habe ich bislang von diesem Menschenschlag gehört, wenn es darum ging, Qualitäten von Mitreisenden zu beschreiben. Durch den Lärm angelockt, kommt der Zugbegleiter auf die Gruppe zu und erklärt ihnen, daß der Zug erst noch überprüft und danach geöffnet würde. Dieser Umstand, der jeden normaldenkenden Menschen beruhigen würde, scheint aber den Unmut in der Gruppe zu schüren. Die Herren der Schöpfung halten sich dabei sogar noch zurück, Wort- und Rädelsführer sind eindeutig die Frauen, die sich in der Altersgruppe 49 aufwärts bewegen. Ein gefährliches Alter, so will es mir scheinen.

Um meine Zeit der Qualen so kurz wie möglich zu halten, entferne ich mich von der wilden Horde, vertrete mir die Beine in der lauen Abendluft. Bei meiner Rückkehr an den Ort des Geschehens kann ich ersehen, daß die Zugtüren inzwischen geöffnet wurden, denn die Gruppe ist spurlos verschwunden. Ganz spurlos natürlich nicht, denn immerhin wurde die Alufolie, mit der die mitgebrachten Lebensmittel eingepackt wurden, quasi als Leuchtfeuer für all diejenigen, die das Grauen suchen, auf dem Bahnsteig zurückgelassen. Meine Vorfreude kennt keine Grenzen. Ich begebe mich in die Höhle des Löwens und besteige den Zug.

Natürlich ist das Glück mir nicht hold; die Mannheimer Truppe sitzt direkt hinter mir. Es ist also völlig unerheblich, daß es sich um einen Schlaf- und Ruhewagen handelt, an Schlaf wird nicht zu denken sein. Stattdessen bereite ich mich auf eine entnervende Nacht vor, die ich mit Lesen zu überbrücken denke. Noch bevor der Zug losfährt, kommt die Rede auf die essenstechnische Versorgung. "Isch hab' den Lebbäkäs' ja wirklisch gut gefunne.", sagt Frau Helga. Frau Moni dazu: "Wiä habbe ja gleisch sechs Semmeln mache lasse. Und nur hunnertzwanzisch Gramm. Für sechs Semmeln. Des sin' 20 Gramm Lebbäkäs' pro Semmel." Strahlend dreht sie sich zu ihrem Mann um. "Nischt wa', Häbbät?" Herbert schmunzelt und sagt: "Isch wollte ja da keine kauffe. Un' jetz' ägä isch misch. Des is' immä so." Moni bekräftigt das, nimmt dabei aber einen kräftigen Schluck aus der Prosecco-Flasche. Becher gibt es heute wohl keine.

Nachdem also klar geworden ist, daß Mannheimer durchaus auch rechnen können, geht es so ewig weiter. Die Qualität der Würstchen wird besprochen, das Schnitzel als Ausdruck der Lebensart. Kernöl, Senf und Marillenmarmelade - es gibt nichts, was es nicht gibt, das den probierfreudigen Gaumen von Moni, Helga und Frida entgangen wäre. Mannheim testet also Wiens Küche. Das sollte Wien Sorgen bereiten, denn das riecht nach kommender Invasion, und sei es auch nur eine touristische: Wien wäre für die zivilisierte Welt verloren.

Der Zug fährt. "Häbbät, willste ein Brötsche? Ein Käsebrötsche." Herbert ist sich nicht sicher. "Wissense, wie isch meine Käsebrötsche mache?" Frida ist interessiert. "Ein Brötsche, dann eine Scheibe Käse anstatt Buddä, dann eine Scheibe Käse, dann Schinge. Und dann nochmal Käse." Das ist zwar ein Käse-Schinken-Brötchen, und dann auch noch eines ohne Butter, meine Beste, aber das macht ja nichts. Das Käsebrötchen erlebt durch Helga eine Renaissance. Mal was anderes. Was ganz Neues. Frida und Moni applaudieren leise mit ihren rosigen Patschehändchen.

Durchsage des Zugführers: "Wir heissen Sie herzlich willkommen..." Blablabla. "Nächster Halt ist Mannheim." Aha, wir fahren also gerade aus Wien ab, und Mannheim ist der nächste Halt, das glaube ich kaum. Da gibt es ja noch Wiener Neustadt, St. Pölten, Linz, Salzburg, Rosenheim, München... Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was wohl gesagt werden sollte: Mannheim ist der erste Halt, an dem einige Fahrgäste aussteigen werden. Dazu gehören wohl auch die Monster hinter mir. Trotzdem scheint diese Aussage des Zugpersonals den flachen Humor von Moni, Helga und Frida zu reizen. Nach etwa einer halben Stunde hält der Zug das erste Mal. "Hähä, Mannheim.", blubbern drei fröhliche Kehlen gleichzeitig. "Des ging schnell. Hähä." Ich danke Gott, daß Schußwaffen hierzulande verboten sind. Ich hätte sonst ein Massaker angerichtet. Stattdessen wende ich meinen Blick dem Buch zu, das auf meinen Knien ruht. Versuche verzweifelt, Helga, Moni und Frida aus meinem Hirn zu verteiben. Es ist zwecklos.

Der Zug fährt weiter. Es geht um die Krankheiten der Männer, in deren Begleitung die Damen unterwegs sind. Herbert leidet an Gichtanfällen, Heinz an Problemen mit der Prostata und Gerd hat manchmal so ein Herzstechen, das aber immer nur kurz dauert und dann spurlos verschwindet. Gerd scheint ein vernünftiger Mann zu sein, dem das Leben übel mitgespielt hat, als es ihm Moni zur Seite stellte. Wahrscheinlich hat er sie geschwängert und war dumm genug, sie dann auch zu heiraten. Er sagt nicht viel, ich kann es ihm nicht verübeln. Der tägliche Horror hat ihn stumm gemacht. Ich fühle mit ihm. Heinz geht mal aufs Klo, Frida tauscht vielsagende Blicke mit Helga aus: "Da geht er, des kann dauern." Es dauert tatsächlich. Sagenhaft.

Ich könnte ewig so weitererzählen, es fände kein Ende. Es wird über Kinofilme geredet ("Der Jesusfilm, des war ja saaagenhaft..."), über die Rentenreform, den Irakkrieg ("Die Araber, die sind ja alle selbst schuld...") und über die steigenden Arbeitslosenzahlen ("Früher hätt's sowas nich' gegeben. Abä füa uns is' des eh wurscht. Wiä habbe ja vorgesorcht."). Ich weiß nun, daß Moni in einer Ikea-Wohnung wohnt, Frida aber lieber bei Möbel Unger einkauft. Helga hat auch eine Wohnung in Frankfurt, wo man sie auch ruhig mal besuchen kann, sie hat eine Klappcouch - was genau sie dort macht, das habe ich dann wieder überhört. Aber es ist auch gleich. Gerd jedenfalls setzt sich im Laufe des Abends, der zu diesem Zeitpunkt schon späte Nacht genannt werden könnte, weiter nach vorne, um etwas zu schlafen. Moni stiefelt ihm schwer atmend hinterher: "Hähä, sin' mir jetz getrennt von Tisch und Bett?"

Run, Gerd, run...

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Nur kurz, weil Sandra versucht, mit ihrer Mail das Internet zu einem Medium zu machen, das einem das Leben auch erleichtern kann: T-Shirts falten? Kein Problem mehr. Mit der Origami-Methode jedenfalls. Natürlich falte ich nicht so, da bleibe ich meinem alten System treu, aber so als kleine Anregung, wenn man mal nichts zu tun haben sollte, kann das was. Nerdy, ich weiß. Und gar nicht so leicht, wie es im ersten Moment aussieht. Man braucht schon zwei oder drei Versuche, bis es klappt.

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12.5.04


Weil's mir gut tut, ihn ab und zu zu sehen.


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Komisch, morgen ist der 13. Mai. K.'s Geburtstag. Und ich denke an Terry's Chocolate Orange. Just tap and unwrap. Zu den "interesting facts": "In a typical year we will produce more than 350 million segments of Terry's Chocolate Orange?. We use 22 cocoa beans in every Terry's Chocolate Orange?. If you laid each segment end to end from every Terry's Chocolate Orange? made each week, they would stretch 745 miles."

350 Millionen Segmente. Und davon landete in den letzten Jahren kein einziges hier. Das nenne ich tragisch. Und die sagenhafte Länge von 745 Meilen finde ich gar nicht so sagenhaft - ich hätte erwartet, daß die Dinger wenigstens zweimal um die Erde reichen. Was aber nichts an der Qualität, dieser sagenhaften Qualität dieser schrecklichen Schokolade ändert... Sollte mal jemand nach England fahren, kann er mir ja drei oder vier oder fünf oder so mitbringen. Danke.

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Guter, alter Senad. Was würde ich missen, gäbe es ihn nicht. "Ich glaube, ich schreibe ein Buch." - "Worüber?" - "Über das Leben. Liebe, Tod und Leidenschaft." Wenn Senad nicht so ein leidenschaftsloser Mensch wäre, fände ich diese Aussage etwas mißraten, so allerdings entfacht sie in mir ein Leuchtfeuer an freudigen Lachern. "Leidenschaft" - schon wenn man das Wort mit jugoslawischem Akzent ausspricht, hört man das Feuer, das darin kocht. So sind sie, die Slawen...

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Alte Menschen sollten nicht mehr reisen dürfen. In Korea gab es früher bis in die achtziger Jahre auf dem Land den Brauch, die alten Eltern, wenn sie zu einer Belastung wurden, huckepack auf die Berge zu tragen, ihnen eine Schüssel Reis vor die Nase zu setzen und sie dann auf dem Gipfel sich selbst zu überlassen. Inzwischen gibt es Hilfsorganisationen und kirchliche Einrichtungen, die die alten Leute von den Bergen wieder einsammeln oder ihnen altenheimähnlich eine Unterkunft anbieten können. Im Europa der Neuzeit werden alte Eltern vielleicht nicht auf Berge verfrachtet, wo sie unter freiem Himmel dann ihren Lebensatem aushauchen sollen, hierzulande übernimmt die Bahn die Rolle des Berges.

Wartenderweise stehe ich am Bahnhof und harre der Abfahrt des Zuges, die erst in einer halben Stunde erfolgen wird. Grüppchenweise stehen junge Familien herum, knutschende Pärchen, die sich weinend voneinander verabschieden. Plötzlich taucht ein Pulk von vier Leuten auf, unter ihnen eine dürre, zerbrechliche alte Frau. Zwei riesige Koffer werden vor der Zugtür abgestellt, die alte Dame wird in den Zug gehievt, die Koffer hinterher. Vier Menschen kommen, drei gehen - die alte Frau ist jetzt allein. Man mag sich denken: Sie fährt nach XY, um ihre Enkel zu besuchen. Ich vertrete mir unbesorgt noch ein wenig die Beine am Bahnsteig, es könnte ja eine längere Fahrt werden.

Die Frau steht noch immer direkt am Eingang, als ich zurückkomme. Ich steige zu ihr in den Zug. Der Geruch alter Menschen - Inkontinenzmaterial ist eben nicht immer absolut luft- und geruchsdicht - umweht sie. Da ich das von der Arbeit her gewohnt bin, schreckt mich das nicht davon ab, auch weiterhin nett zu lächeln, und ich frage sie, wo sie sitzt, ob ich ihr die Taschen zum Platz tragen kann. Sie scheint, mich nicht zu hören, kratzt stattdessen an der Zugtoilettentür. Ich versuche, ihr zu erklären, daß diese erst während der Fahrt geöffnet wird, also wenn wir den Bahnhof verlassen haben. Verzweiflung blitzt in ihren milchig-trüben Augen auf. "Aber ich bin doch hier zuhause." Tatsächlich? Erste Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verfrachtungsaktion kommen in mir auf.

Der Schaffner kommt, scheint diese Situation zu kennen. Oder er wurde informiert. Er schnappt sich eine Tasche und geht in das angrenzende Abteil. Und kommt nicht wieder. Der Zug fährt an, die alte Frau geht aufs Klo, nachdem dieses aufgesperrt wurde. Und kommt die gesamte Fahrt über nicht mehr heraus. Die zweite Tasche steht noch immer am Gang, das Ganze wirkt auf mich unterschwellig dramatisch. Das scheint aber nur mir so zu gehen. Die Frau hat ein Ticket, das ist alles, was den Schaffner interessiert. Und so fährt sie vielleicht noch heute von A nach B. Ihr zuhause ist die Zugtoilette. Mich überkommt eine unbekannte Traurigkeit.

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11.5.04



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"Die Hochzeitstorte" oder "Heute schon gekotzt?"

Hochzeiten sind Geschmackssache. Manche lieben sie, andere finden sie öde und unnötig. Ich habe bislang eigentlich immer nur unterhaltsamen Hochzeiten beigewohnt - angefangen bei den traditionellen Riesenhochzeiten in England, auf denen ich tanzen durfte, bishin zu der Aussteigerhochzeitsfeier eines Ethnologenehepaares auf einem abgelegenen Sportplatz, in deren Programmittelpunkt das Tanzen zu Trommeln und das Rauchen reichlich vorhandenen Rasens stand. Natürlich mußte es auch einmal anders kommen, und diese Hochzeitsfeier ist nicht das Schlimmste, das mir in meinem Leben bislang widerfahren ist. Aber trotzdem verdient sie sich einen Platz in der Vitrine meiner persönlichen Erinnerungen.

Abgesehen vom Wetter, für das das Brautpaar sicher nichts kann und das mit Eisstürmen und Dauerregen ein wenig auf die Stimmung drückte - dazu kommt der Gewinn des Meistertitels durch Werder Bremen, wobei ich lediglich die zweite Halbzeit in einer lokalen Lokalität gefüllt mit Eingeborenen verfolgen kann, gibt es doch zwischen Kaffeetrinken und Abendveranstaltung eine etwas längere Pause - ist es ein perfekter Tag zum Heiraten. Glaube ich. Frohgestimmt findet sich das unter der Woche gestresste Juristenvolk ein und imitiert das, was man normalerweise als gute Laune bezeichnen könnte. Wenn Juristen Menschen wären.

Ich habe Hunger. Das abendliche Programm beginnt mit ein paar einleitenden Worten, der Vorstellung sämtlicher Gäste. Was interessieren mich die Namen von Hinz und Kunz aus irgendwelchen Kanzleien, die ich ohnehin nie von innen sehen werde? Ich will das, was da auf der Speisekarte steht. Und zwar alles. Angefangen bei den Vorspeisen mit Vitello tonnato, Räucherlachs und anderen Fischigkeiten, über die Hauptspeisen wie Maronispätzle mit Wild oder anderem toten Getier, bishin zum Dessert in Form von Mousse au chocolo... chocolat, Obstsalat und irgendwelchen anderen cremigen Kalorienbomben. Aber nein, man muß ja noch ein paar Reden schwingen, während das Volk hungert und darbt. Dieser Umstand erbittert mich zutiefst, verlangt es mich doch nur nach einem Stück Brot. Ah, das Buffet ist eröffnet, ich stürze an den reich gedeckten Gabentisch. Es gibt einen Gott.

Zwischen den einzelnen Gängen schwingen sich Menschen, die ich hier nicht namentlich nennen will, deren feiste und selbstverliebte Gesichter sich mir aber auf immer ins blutende Herz gebrannt haben, dazu auf, rhetorische Höchstleistungen zu vollbringen, die ihnen wohl auf der Stottererakademie in Holland beigebracht wurden. Noch nie sah ich einen Menschen, der sich verbal masturbierend einer Festgesellschaft zur Schau stellte. Hier also mal eine Premiere. Wenn man keinen Sex hat und darob vielleicht frustriert ist, sollte man anderen damit nicht auf die Nerven gehen - weder durch ewiges Lamentieren über die fehlende Standfestigkeit im Alter, noch durch die dann oft eintretenden Übersprungshandlungen: Ich kann nicht mehr, wie ich will, aber ich habe früher viel gelesen, und das muß ich jetzt beweisen. Wenn dann auch noch lediglich Wortblasen und Halbwahrheiten aufgetischt werden und wenn "Die Vogelhochzeit" angestimmt wird, erreicht das einen gewissen Punkt, der mich dazu bringen könnte, Hexenverbrennungen wieder einzuführen. Brennen muß Salem oder alternativ der Ort, an dem derartige Reden gehalten werden. Oder auch nur der Redner selbst.

Der kulinarische Antiklimax sollte aber auch das noch toppen und in den Schatten stellen. Die Hochzeitstorte wird angeschnitten. Das passiert seltsamerweise in völliger Dunkelheit. Vermutlich weiß das Brautpaar, wie beschissen dieses sündhaft teure Plastikimitat einer Torte wirklich ist, und ist beschämt. Das Licht geht an, und eine übereifrige Juristin wirft einen Teller mit einer dicken Scheibe Torte vor meine Füße. Ich teste den Bisquitteig. Aha, ein Geschirrspülschwämmchen. Glasur? Oh, Schmieröl oder doch reine Butter? Die Farben sind ein Thema für sich - künstlicher geht's nicht. Dieses Pistaziengrün. Dieses Zitronengelb direkt aus dem Pelikandeckfarbmalkasten. Dieses Rosa - das kommt sicher nicht in freier Natur vor. Das kann Gott nicht gewollt haben, als er die Welt an sechs Tagen geschaffen hat. Meine Geschmacksnerven erleiden einen Infarkt, und meine Zunge schrumpelt zu einem Dörrfleischlappen zusammen. Ich muß mich mit Schnaps betäuben. Oder mit sieben solchen. Ich umarme die Flasche herzlich.

Daß der Schwager des Bräutigams meint, er müsse seine Hackfresse tanzend zur Schau stellen, während er mit seiner zahnspangenbewehrten Frau einen Salsa aufs Parkett legt und entengleich mit seinem Arsch und zugehörigen Hüften wackelt, ist mir dann irgendwann scheißegal. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich gehe jetzt. Ich brauche mehr von dem, weswegen ich wirklich hier bin. Mist, zuviel Alkohol, und gute Nacht.

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Hochzeit absolviert. Anzugträger gewesen. Muttertag hinter mich gebracht. Zeit fürs Herz. Zugfahrt. Alles ist gut. Irgendwie. Hoffe ich. Noch ein bißchen mehr Fleiß meinerseits, und es könnte nicht besser sein.

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5.5.04


Jaja, da wartet man vergebens den halben Abend bis in die frühen Morgenstunden hinein, daß die Wolkendecke aufreisst und man einen Blick auf den Mond werfen kann. Und kaum ist der Spuk - sprich: Die Mondfinsternin - offiziell und zur Gänze und unwiederbringlich vorbei, hängt er sich dick, rund und voll an den Nachthimmel. Ich möchte es nun so halten, wie es Meinrad Jungblut alias Peter Licht schon vor mir tat, frei nach "Das Lied gegen die Schwerkraft", und intoniere mit leiser Stimme und in höchstem Grade schräg: "Und der volle Mond, der alte Arsch, so'n Hals hab' ich über den..."

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4.5.04


Jetzt aber rauf aufs Dach und auf eine frische Brise gehofft, die die Wolken zur Seite treibt.

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Da komme ich mit Pizza beladen aus dem Salz und Pfeffer, greife beim Überschreiten der Haustür in der Dunkelheit zum Stapel der Werbeprospekte und entdecke erst in der lichtdurchfluteten Einheit, was ich da eigentlich mitgenommen habe: Werbung für Art-X, irgendsoeinen österreichischen Erotiksupermarkt. Herr Sieberer und ich belustigen uns an Werbung für Filme mit klingenden Titeln wie "Teenies, Natursekt, Oma, Fett und vieles mehr" und versuchen gleichzeitig, Moto diesen Bereich des Lebens auf Deutsch näherzubringen. Da fällt mein Blick auf einen Artikel, und irgendwie finde ich das ganz besonders witzig. Ich weiß auch nicht, warum.



Klar, irgendwo ist das auch schon fast wieder präpubertär, aber das muß auch mal sein. Man wird ja schließlich nicht jünger...

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Jürgen Höller, der gefallene Motivationsguru, ist also wieder auf freiem Fuß. Und erstaunlich, was man mit NLP nicht alles schönreden kann. Mal abgesehen davon, daß er pleite ist und nur deshalb wieder in Freiheit reden und wirken kann, weil er die Schulden bei den Gläubigern abarbeiten muß, scheint sich nichts verändert zu haben. Seine Zeit in Haft wird als "2-jährige Abstinenz" bezeichnet. Und ganz toll wird auf seiner Seite unter "Lifing 1-Seminar" postuliert: "Doch während seiner langen Auszeit, die für ihn fast eine Dauermeditation bedeutete (bei 23 Std. täglichem Zusammensein nur mit sich selbst!), hat er solch bedeutende Erkenntnisse gewonnen, dass es ihn dazu drängt, diese und seine Erfahrungen jetzt endlich an seine Freunde (denn so sieht er jetzt seine Seminarteilnehmer) weitergeben zu können." Danke, Jürgen. Amen.

[posted at 16:24] [link it] [email] [0 comments]


Manchmal hat man das wohl, daß ein Lied einen den ganzen Tag über begleitet, daß man sich, wo man auch geht und steht, zum Rhythmus dieses Liedes bewegt. Das muß jetzt raus: Tenacious D's "Tribute". Mal abgesehen davon, daß mir die beiden aus figürlichen Gründen schon sympathisch sind, ist das Video auch recht sehenswert. It rocks. Warum gibt es solche Slotmachine-Studios nicht auch bei uns im Spar, Herr Ostermann?


[posted at 14:55] [link it] [email] [0 comments]


Preisfrage: Im Japanisch-Deutsch-Wörterbuch findet sich ein Eintrag, der "Augenbutter" lautet. Übersetzt man diesen ins Japanische und überträgt diesen Begriff dann ins Englische, landet man bei "Eye shit". Was bezeichnet dieser Begriff?

[posted at 13:53] [link it] [email] [0 comments]


Mondfinsternis heute. Beginn der Show mit Einbruch der Dämmerung. Hoffentlich wird das Wetter noch etwas besser. Nichts anderes als astronomische Ereignisse, die man selbst beobachten kann, vermag es, mich bescheidener zu machen, wenn ich erkennen muß, daß wir nichts weiter als kleine Staubpartikel im Weltenuhrwerk sind.

[posted at 09:54] [link it] [email] [0 comments]


2.5.04


Mein derzeitiges Lieblingslied von Sabrina S., der Frau, die auch aus Rödelheim kommt. Und die Musikindustrie fragt sich, warum keiner mehr CDs kaufen möchte. Man lade sich das Lied herunter, vergleiche es von der "Sing"-Stimme her mit "Wir wollen sündigen" vom Kleinen Arschloch (Ich bin ein kleines Arschloch, Bääibää). Ist es das Arschloch, das da rappt? Ich weiß es nicht zu sagen. Du bist mein Bäibäää... Jesus.

Baby, Du bist zauberhaft,
Und, Babe, was Du für Augen hast.
Du leuchtest fast vor lauter Pracht,
Ich hoff', daß ich nie aus diesem wundervollen Traum erwach'.
Stunden ohne Dich rauben Kraft,
Aber wenn Du bei mir bist, entschädigt mich das tausendfach.
Deine Küsse sind süß wie Traubensaft,
Und wenn Du weg bist, Baby, dann wart' ich auf Dich auf'm Dach,
Weil ich weiß, daß Du vom Himmel kommen mußt.
Wenn Du sprichst, dann lausch' ich Deiner Stimme voller Lust.
Ich glaub' das echt, Du bist vom Himmel gestiegen,
Nur um mich zu beschenken mit innerem Frieden.
Du warst mein Traum und bist es immer geblieben.
Wir zwei gehören zusammen, wie Gewinner und Siegen.
Und wenn ich Deine Augen so seh',
Ist selbst die Scheißwelt da draussen okay -
Du bist mein Baby.

Du bist der Grund, warum ich wach bleib'.
Der Grund, warum ich nachts schreib'.
Und wenn ich das tu', Dein Name auf meinem Blatt bleibt,
Als ob mich 'ne andere Macht treibt.
Und wenn ich mich Dir schwach zeig',
Nutzt Du's nicht zu meinem Nachteil.
Von dir getrennt zu sein, entfacht Leid.
Baby, Du bist alles, was ich hab',
Und Du fängst mich, wenn ich falle, Du bist stark.
Und wenn ich mit dir Pommery sauf',
Prickelst Du viel mehr als er,
Denn bei Dir geht doch die Sonne auf.
Baby, Du beweist mir, daß es Gott gibt.
Und, Baby, Du weißt, daß ich Deinen Spot keep'.
Dein Beef ist mein Beef, wie bei Mop Deep.
Und ich werd' tun, was ich kann,
Daß keine andere diesen Job kriegt.
Ich check' sie jetzt, die Tiefe dieses Segens.
Baby, Du bist die Liebe meines Lebens,
Und ich verstehe Dich,
Glaub mir, ich gehe nicht
Von Deiner Seite, Baby,
Weil Du mein Baby bist.

Frage: Dein Beef ist mein Beef? Wie bei wem? Tja, was soll ich sagen, Sabrina; es ist schade, daß Du nicht für uns nach Istanbul fährst.

[posted at 21:56] [link it] [email] [0 comments]


Da lese ich mir zum wiederholten Male die "10 Schritte zum Glücklichsein" durch, da packen mich Zweifel, wie man glücklich sein kann, wenn man den ganzen Tag über einem Buch oder Mikroskop hockt und Zellen dafür verflucht, daß sie so aussehen wie sie aussehen...

[posted at 15:50] [link it] [email] [0 comments]


Schon letztes Jahr war Patch Adams in Österreich, am 14. Oktober hält er neuerlich einen Vortrag "Living a Life of Joy and Happiness" in Wien (Ort und genaue Zeitangaben werden noch bekanntgegeben.). "In diesem zweistündigen Vortrag wird die Möglichkeit eines wirklich erfreulichen Alltagslebens untersucht. Es werden Wege aufgezeigt, diese positive Einstellung in alle Lebensbereiche zu integrieren. Humorvoll und aufmunternd." Nähere Infos dazu gibt es hier. Die Kosten liegen bei 25 Euro (Studenten zahlen 12,50 Euro). Und es gibt Rabatte für Frühbucher. Der letztjährige Vortrag war wirklich überzeugend und mitreissend, von daher kann ich allen nur wärmstens empfehlen, diese Legende aus dem Bereich der Medizin einmal live zu erleben.

[posted at 15:40] [link it] [email] [0 comments]


Nach einem sonnigen Tag: Donnergrollen über der Stadt. Am Horizont tobt das trockene Gewitter, hier am Stadtrand fällt kein Tropfen Regen. Stattdessen ist die Luft derart aufgeladen, daß es einem die feinen Härchen auf den Armen aufstellt. Nervös zwitschernde Vögel; sommerliches Vorspiel.

Nachtrag: Kaum gepostet geht hier ein wolkenbruchartiger Regen nieder. Endlich.

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Ich kann nicht kochen, von daher kann ich auch keine Kochrezepte verfassen, aber ich probiere es trotz allem; wir alle werden über kurz oder lang Opfer unserer Hybris. Beginnen wir also mit dem Glasnudelsalat. Für diesen benötigt man:

200 Gramm Rindfleisch
2 große Karotten
1 große Zwiebel
1 Zucchini
2 Paprika grün/gelb/rot (je nach gewünschter Farbigkeit)
2 Zehen Knoblauch
1 Jungzwiebel
2 Eßlöffel Austernsauce
2 Eßlöffel Sesamöl
3 Eßlöffel Sojasauce
Paprikapulver scharf
1 Packung Glasnudeln
Olivenöl
Salz
Pfeffer
Geröstete Sesamkerne

Bevor man richtig loslegt, kann man das in kleine Stücke zerteilte Rindfleisch in eine angerührte Marinade aus Sesamöl, Sojasauce und Paprikapaste legen, es muß aber nicht sein. Mit der Paprikapaste sollte man etwas sparsamer umgehen, wenn man es nicht allzu scharf mag. In dieser Marinade verbleibt das Fleisch für etwa zwei Stunden, wobei es ab und zu auch gewendet werden darf. Dann erhitze man Öl in der Pfanne (Besser noch: Im Wok.), brate das Fleisch an, nehme es dann vom Herd. Arbeitet man im Wok, hat man den Vorteil, kein weiteres Öl zugeben zu müssen, da das Fleisch einfach an den Seitenwänden des Woks hochgezogen werden kann, wo es warm bleibt, während das Öl wieder hinunterläuft; ansonsten erhitze man neuerlich Öl und werfe die gehackten Zwiebeln, den zerdrückten Knoblauch, die zerkleinerten Zucchini und in dünne Scheiben geschnittenen Karotten hinein, bis die Zwiebeln glasig sind und die Karotten einen wunderbar süßlichen Geruch verströmen. Etwa zu diesem Zeitpunkt sollte man die Glasnudeln in das kochende Wasser werfen, damit alles etwa gleichzeitig fertig wird. Normalerweise brauchen Glasnudeln nicht lange; sie sollten in jedem Fall glasig-durchsichtig sein, dann sind sie in aller Regel auch fertig. Nun folgen die Paprika, die man je nach Lust und Laune in Streifen schneiden oder einfach nur zerkleinern kann, und die gehackten Jungzwiebeln. Benutzt man eine Pfanne und hat man das Fleisch auf einem Teller neben dem Herd liegen, kommt auch das wieder hinzu. Das Ganze bleibt dann für drei Minuten bei mittlerer Hitze auf dem Herd, wobei man die ganze Mischung ständig in Bewegung halten sollte. Salzen, pfeffern, die Soja-, die Austernsauce und das Sesamöl hinzugeben. Mit Sesamöl sollte man nicht braten, da das Öl zerfällt und dann einen hohen Grad an gesättigten Fettsäuren und Verbrennungsprodukten aufweist, die man aus gesundheitlichen Gründen in jedem Fall meiden sollte. Die Glasnudeln abtropfen und grob zerkleinern - es reicht, wenn man hierfür mit dem Wender, ein paarmal mitten in die Glasnudeln hineinsticht. Dann gibt man alles zusammen in Wok oder Pfanne, mischt alles gut durch, bis die Glasnudeln nicht mehr weiß sind, sondern die Sauce aufgenommen haben. Man bestreue den gut gefüllten Teller mit Sesamkernen und serviere, wobei sich als Beilage Reis gut eignet. Diesen Glasnudelsalat kann man auch für einen Tag im Kühlschrank aufbewahren, wobei man dann eine luftdichte Dose verwenden sollte, da die Glasnudeln sonst austrocknen und eine gummiartige Konsistenz bekommen.

Die Kurzversion für alle, denen die Absätze fehlen, ganz einfach: Alles anbraten (Fleisch zuerst, harte Sachen vor weichen Sachen.), Glasnudeln kochen, dazuwerfen, Öl, Gewürze und Saucen dazugeben, umrühren, fertig.

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