Die Kanzlerin spricht nur noch in salbungsvollen Worthülsen, Westerwelle spricht bei jedem seiner Fernsehinterviews so langsam und bedeutungsschwanger, als hätte er es bei seiner Wahlklientel mit gehörlosen, geistig schwerst retardierten Schwachköpfen zu tun (was zutreffend wäre), und die Politik der vermeintlichen Liebeskoalition versinkt in reinem Populismus: Die Zusatzbeiträge der Krankenkassen sind schon lange angekündigt worden, und jetzt, wo der Röslerbubi die Katze aus dem Sack lassen muss, stellt man sich gegen die Krankenkassen und geisselt deren vermeintlich unsoziale Beitragspolitik. Anders als in Amerika können sich die neoliberalen Kräfte in Deutschland nicht zu einer klaren Leck-mich-am-Arsch-Einstellung durchringen, immer wieder wird die Klientelpolitik durch das vermeintliche C für christlich in der Regierungspartei verwässert. Und am Ende werden dann doch die Pharma- und Chemieriesen gewinnen, werden Rüstungskonzerne bevorteilt und Automobilfirmen verhätschelt. Das alles im Namen des Fortschritts, des Aufschwungs und des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Die Zeit wäre reif für ein Linksbündnis, das nicht an Utopia glaubt, sondern die soziale Marktwirtschaft, in der die Banken an der Leine gehalten werden und die Menschenrechte wieder mehr Raum einnehmen. Aber sag das einer dem Wahlvieh. Die finden Westerwelles und Merkels Geseiere wahrscheinlich sogar noch in irgendeiner Form sinnvoll...