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Tief in den Katakomben des Chirurgischen Krankenhauses gibt es einen kleinen, fensterlosen, von Neonlicht durchfluteten Trakt, in dem allerlei seltsame Gerätschaften stehen, die der chirurgischen Forschung dienen, was immer man darunter auch verstehen mag. Allwöchentlich versammelt sich hier eine Schar unerschrockener Langzeitstudenten (es gibt sogar noch ältere als mich, es sei denn, sie wären an einer milden Form von Progerie erkrankt), um in die Kunst des chirurgischen Handwerks eingeweiht zu werden. Schon in der Vorbesprechung wirkte der kleine aber bestimmt auftretende Professor U. ("Because of the stupid jokes, they changed the name of Uranus. Instead of Uranus we now call it Urectum." (Futurama)) reichlich strikt und hochgradig neurotisch. Nichts an diesem Eindruck änderte sich im Laufe der heutigen Lehrstunde.
Er erklärt famos, seine Demonstrationen sind einleuchtend, sein Vortrag ist flüssig, und seine Wortwahl ist äußerst präzise. Keine "Äh"s und "Öh"s stören die Perzeption der Weisheitsperlen, die er mit beiden Händen bereitwillig vor die Säue wirft. Und bei alledem fühle ich mich wieder wunderbar infantil regrediert. Selbst meine Zweifel, wie ich in meinem fortgeschrittenen Alter noch an einer halbwegs komfortablen Karriere feilen soll, zerfliessen in der Wärme, die mich durchströmt, wenn ich all meine erwachsenen Probleme an der Eingangstür lassen darf, um jungstudentenartig belehrt zu werden. Und ich erfreue mich am Erlernen von einfachen Knoten, am Erlernen von Nähtechniken, wobei keine Frage und nichts und wieder nichts banal genug sein kann.
"Zweimal Technik eins mit der dominanten Hand, einmal Technik zwei mit der anderen." Fertig ist der Knoten, arretiert, sicher geknüpft und haltbar, solange die Halbwertszeit des Fadens reicht. Im Kindergarten klang es aus dem Mund von Frau Ulrike auch nicht viel anders.
Bei der Übertragung des Fußballspiels Arsenal gegen Barcelona hat der Tontechniker sicherlich viel Freude gehabt, als er das Mikrophon ziemlich nahe an zwei englischen Fans angebracht hat, die das gesamte Spiel über, in dem Barcelona locker 6:1 hätte gewinnen müssen, auf die gegnerischen und eigenen Spieler Schimpfkanonaden losließen.
"Get up, you fuckin' wanker!" "Look at that sissy!" "Fuck off and die, you pussy!" So und ähnlich klang es da aus dem Lautsprecher meines Fernsehers. Es war großartig. So, wie Fußball sein muß. Laut, derb, stinkig. Und dann steht es am Ende 2:2. Hoffentlich gewinnt Barcelona die Champions League nicht. Das wäre mir zu fad.
Zum Jahrestag des Massakers von Srebrenica entschuldigen sich die Serben in einer Erklärung des Parlamentes. Von Völkermord wollen sie aber nicht sprechen. Stattdessen wird gesagt, dass das Unrecht von einigen einzelnen Personen verübt wurde, das Volk habe sich nicht schuldig gemacht. Dafür, daß wir hier in Europa leben, das zusammenwachsen will, ist das alles erbärmlich und entwürdigend. Und der Umgang von Bosniern, Serben und Kroaten untereinander beweist nur, dass ein Großteil Europas nicht reif für ebendieses Projekt ist.
Warum es so lange dauert, bis sich jemand mit konstruktiver Kritik an der Hartz-IV-Debatte beteiligt, ist eine interessante Frage; oder sind sämtliche Politiker blind oder extremst kurzsichtig geworden? Ein klares Statement fällt zumindest Gustav Horn in seinem Gastkommentar. Nicht niedrigere Sozialleistungen brauchen wir, wir brauchen höhere Grundgehälter, damit sich Arbeit wieder lohnt.
Herr Westerwelle, vielleicht denken Sie Ihren Standpunkt noch einmal durch, wenn Sie dazu in der Lage sind. Zum Denken. Sie verstehen schon.
Lange herbeigesehnt, ist das iPad nun erhältlich. Was passiert aber, wenn die Batterie es nicht mehr wirklich macht? Der Akku ist fest verbaut, lässt sich also nicht einfach austauschen. Mal schauen, was sagt Apple dazu?
Folgendes: Einschicken und ein Neugerät für 99 Dollar plus 6,95 Dollar Versandkostenpauschale erhalten. Nachhaltigkeit sieht meines Erachtens anders aus. Oder werden dann ältere Komponenten wiederverwertet und man bekommt eine Art recycletes Modell zurück?
An Ödnis ist die Entscheidung, wer denn nun für Deutschland nach Oslo fahren soll, kaum zu überbieten. Die Jury lobhudelt in einer Tour, Stefan Raab birst vor Stolz, weil er diesen jungen Talenten eine Bühne geboten hat, Xavier Naidoo steht auf die hübsche Kleine mit der Quäkstimme, die Silbermond- oder Juli-Tante (oder sind das dieselben) steht auf das rockende Schweinchengesicht. Daß beide heute öfters stimmlich danebenlagen, daß die Lieder, die sie zum Besten geben sollen, fad bis zum Erbrechen sind - geschenkt. Mein Tipp: Quäkstimme mit dem letzten Lied, das ihr "auf den Leib geschrieben" wurde.
Nachtrag (23:55): Ok, Quäkstimme mit einem anderen Lied. Aber wenn ich mal Zeit habe, muß ich mich mit den anderen Beiträgen aus Europa auseinandersetzen. Schweiz schickt einen Monchichi ins Rennen. Und bei der Slowakei tanzen im Hintergrund schwule Donkosaken. Ehrlich: Das wird herrlich! Jetzt habe ich etwas, auf das ich mich freuen kann.
Bezeichnend finde ich, daß die FDP in der Hartz-IV-Debatte gemeinnützige Arbeit immer mit Straßenkehren oder Parksäubern gleichzusetzen scheint. Es gibt noch andere Arten gemeinnütziger Arbeit, die nicht unbedingt mit dem Einsatz körperlicher Arbeit im Sinne der Arbeitseinsätze für Sträflinge im amerikanischen Strafvollzug gleichzusetzen sind. Es gilt nur abzuwägen, wo die Grenze zwischen gemeinnütziger Arbeit liegt und dem "echten" Beruf, denn es wäre sinnlos, den Pflegesektor mit Billigarbeitern zu überschwemmen, während qualifiziertes Personal abgebaut wird. Beide Systeme müssten ineinandergreifen und einander ergänzen, wobei eine Verbesserung nach oben ermöglicht, eine Verschlechterung nach unten verhindert wird.
Wenn die CDU und FDP jetzt bellen, erst die SPD habe Hartz-IV und die Folgen verbrochen, stellt sich die Frage, welches Allheilmittel die neoliberale Koalition herbeibeschworen hätte. Vielleicht das Ende des Sozialstaates. Die Privatisierung sämtlicher Sozialeinrichtungen, die man dann für entsprechendes Geld in Anspruch nehmen dürfte. Wer nicht zahlen kann, bleibt außen vor. Dabei steuern wir ohnehin immer stärker auf amerikanische Verhältnisse zu. Daß ein Großteil der Amerikaner diese Verhältnisse nicht mehr ertragen will oder kann, scheint bei uns niemanden zu stören. Wir haben im letzten Jahrhundert große Schritte getan, um eine lebenswerte und verteilungsgerechte Gesellschaft herbeizuführen; das sind die größten Verdienste unserer Vorfahren. Kein System ist perfekt und kann verbessert werden. Aber wie schnell wir bereit sind, diese Verdienste wieder wegzureden und wegzurationalisieren, weil sie etwas Geld kosten, ist erschreckend und kurzsichtig.
"'Die Äußerungen von Hannelore Kraft haben nichts mit dem von Unkenntnis geprägten, populistischen Geplapper der Herrn Westerwelle und Lindner gemein', sagte Nahles. 'Wirtschaftsradikale wie Westerwelle und Lindner wollen Schwache gegen noch Schwächere ausspielen'", erklärte die Generalsekretärin. Generalsekretär müsste man sein, dann dürfte man in den Medien Herrn Westerwelle der Inkompetenz und des Populismus bezichtigen...
Mann, Mann, Mann... Das wird nix mit der WM, wenn man das so ansehen muß, was die da zusammen spielen, die Deutschen. Was macht Per Mertesacker eigentlich noch immer in der Nationalmannschaft. Abgesehen von hinterherlaufen. Schlimmes Ding. Und morgen früh darf ich dann wieder die langweiligste Vorlesung der Welt besuchen. Irgendwie leidet das Leben gerade an der Auszehrung.
Von den Politikern der Welt wird groß und breit diskutiert, daß es nicht angehe, daß Israels Geheimdienst die Pässe und Daten der Bürger anderer Staaten benutzt, um sich auf Terroristenjagd im Ausland zu begeben. Niemand scheint Kritik daran zu üben, daß der Mossad Menschen ermorden lässt. Die Kritik beschränkt sich auf das Procedere, die Tat an sich scheint legitim zu sein. So weit ist es also schon gekommen angesichts des "War on Terrorism", daß politischer Mord akzeptiert wird, solange es Araber sind, die getötet werden.
Als Protestant und zunehmend bekennendem Zweifler an der Religion an und für sich als sozialem Konzept erfüllt mich die Debatte um den Kindesmißbrauch in der katholischen Kirche zunehmend mit Abscheu und Ekel. Man steht sprachlos vor der Instanz "katholische Kirche", die vom ehemaligen Leiter der Nachfolgeorganisation der Inquisition geführt wird, und kann nicht glauben, daß dieser anachronistische Verein noch immer Einfluss auf das Leben von Menschen in dieser vermeintlich modernen Zeit nehmen kann. Immer mehr Menschen melden sich zu Wort, Opfer und Mitwisser und Aufklärungsverhinderer. Der Papst schweigt. Die Kirche zahlt. Und das war's?
Inzwischen verortet Bischof Mixa die Verantwortlichkeit für die Zunahme an Mißbrauchsfällen bei den 68ern und der sexuellen Revolution, die sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern vermeintlich legalisieren wollte, sowie bei den Medien, die der Sexualität zuviel Raum zugestehen würden. Daß die jetzt dauernd aufgedeckten Abartigkeiten schon deutlich früher gang und gäbe waren, daß die Kirche sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern schon seit jeher "intern" regelt, kommt ihm nicht in den Sinn, und damit steht der Bischof in einer Reihe mit den halsstarrigen alten Männern, die die katholische Welt an den Rand des Abgrunds führen.
Bei Kindesmißbrauch handelt es sich um eine besonders abscheuliche Straftat. Warum für die Kirche eine Art Ausnahmeregelung getroffen wurde, daß Täter nicht ins Gefängnis müssen, nicht einmal zu einer Therapie verpflichtet werden, daß die Kirche das Thema immer noch totschweigen möchte und teilweise auch kann und dafür bereit ist, Unsummen zu zahlen, ist ein Skandal, der dazu führen sollte, daß man dieser Institution endgültig den Saft abdreht. Die ständigen Bemühungen der "Kirche von unten" werden systematisch ignoriert oder torpediert, der Vatikan schützt sich, seine überkommenen Strukturen und damit auch die Täter in seiner Hierarchie, zieht sich weitere, sexuell und persönlich verformte Soziopathen heran, die dann auf die Menschheit losgelassen werden. Und so verliert die Kirche als unfehlbare Institution ihre Legitimation, indem sie eben an den Menschen vorbei Gott zu lieben vorschützt. Aber die Liebe zu Gott sollte sich in der Liebe zu den Menschen und Gottes Schöpfung manifestieren. So zumindest interpretiere ich das Gebot zur Nächstenliebe, ohne das all unser Handeln doch nur tönendes Erz wäre - ein Haschen nach Wind.