8.3.10


Bezeichnend finde ich, daß die FDP in der Hartz-IV-Debatte gemeinnützige Arbeit immer mit Straßenkehren oder Parksäubern gleichzusetzen scheint. Es gibt noch andere Arten gemeinnütziger Arbeit, die nicht unbedingt mit dem Einsatz körperlicher Arbeit im Sinne der Arbeitseinsätze für Sträflinge im amerikanischen Strafvollzug gleichzusetzen sind. Es gilt nur abzuwägen, wo die Grenze zwischen gemeinnütziger Arbeit liegt und dem "echten" Beruf, denn es wäre sinnlos, den Pflegesektor mit Billigarbeitern zu überschwemmen, während qualifiziertes Personal abgebaut wird. Beide Systeme müssten ineinandergreifen und einander ergänzen, wobei eine Verbesserung nach oben ermöglicht, eine Verschlechterung nach unten verhindert wird.

Wenn die CDU und FDP jetzt bellen, erst die SPD habe Hartz-IV und die Folgen verbrochen, stellt sich die Frage, welches Allheilmittel die neoliberale Koalition herbeibeschworen hätte. Vielleicht das Ende des Sozialstaates. Die Privatisierung sämtlicher Sozialeinrichtungen, die man dann für entsprechendes Geld in Anspruch nehmen dürfte. Wer nicht zahlen kann, bleibt außen vor. Dabei steuern wir ohnehin immer stärker auf amerikanische Verhältnisse zu. Daß ein Großteil der Amerikaner diese Verhältnisse nicht mehr ertragen will oder kann, scheint bei uns niemanden zu stören. Wir haben im letzten Jahrhundert große Schritte getan, um eine lebenswerte und verteilungsgerechte Gesellschaft herbeizuführen; das sind die größten Verdienste unserer Vorfahren. Kein System ist perfekt und kann verbessert werden. Aber wie schnell wir bereit sind, diese Verdienste wieder wegzureden und wegzurationalisieren, weil sie etwas Geld kosten, ist erschreckend und kurzsichtig.

"'Die Äußerungen von Hannelore Kraft haben nichts mit dem von Unkenntnis geprägten, populistischen Geplapper der Herrn Westerwelle und Lindner gemein', sagte Nahles. 'Wirtschaftsradikale wie Westerwelle und Lindner wollen Schwache gegen noch Schwächere ausspielen'", erklärte die Generalsekretärin. Generalsekretär müsste man sein, dann dürfte man in den Medien Herrn Westerwelle der Inkompetenz und des Populismus bezichtigen...

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4.3.10


Mann, Mann, Mann... Das wird nix mit der WM, wenn man das so ansehen muß, was die da zusammen spielen, die Deutschen. Was macht Per Mertesacker eigentlich noch immer in der Nationalmannschaft. Abgesehen von hinterherlaufen. Schlimmes Ding. Und morgen früh darf ich dann wieder die langweiligste Vorlesung der Welt besuchen. Irgendwie leidet das Leben gerade an der Auszehrung.

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19.2.10


Von den Politikern der Welt wird groß und breit diskutiert, daß es nicht angehe, daß Israels Geheimdienst die Pässe und Daten der Bürger anderer Staaten benutzt, um sich auf Terroristenjagd im Ausland zu begeben. Niemand scheint Kritik daran zu üben, daß der Mossad Menschen ermorden lässt. Die Kritik beschränkt sich auf das Procedere, die Tat an sich scheint legitim zu sein. So weit ist es also schon gekommen angesichts des "War on Terrorism", daß politischer Mord akzeptiert wird, solange es Araber sind, die getötet werden.

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17.2.10


Als Protestant und zunehmend bekennendem Zweifler an der Religion an und für sich als sozialem Konzept erfüllt mich die Debatte um den Kindesmißbrauch in der katholischen Kirche zunehmend mit Abscheu und Ekel. Man steht sprachlos vor der Instanz "katholische Kirche", die vom ehemaligen Leiter der Nachfolgeorganisation der Inquisition geführt wird, und kann nicht glauben, daß dieser anachronistische Verein noch immer Einfluss auf das Leben von Menschen in dieser vermeintlich modernen Zeit nehmen kann. Immer mehr Menschen melden sich zu Wort, Opfer und Mitwisser und Aufklärungsverhinderer. Der Papst schweigt. Die Kirche zahlt. Und das war's?

Inzwischen verortet Bischof Mixa die Verantwortlichkeit für die Zunahme an Mißbrauchsfällen bei den 68ern und der sexuellen Revolution, die sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern vermeintlich legalisieren wollte, sowie bei den Medien, die der Sexualität zuviel Raum zugestehen würden. Daß die jetzt dauernd aufgedeckten Abartigkeiten schon deutlich früher gang und gäbe waren, daß die Kirche sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern schon seit jeher "intern" regelt, kommt ihm nicht in den Sinn, und damit steht der Bischof in einer Reihe mit den halsstarrigen alten Männern, die die katholische Welt an den Rand des Abgrunds führen.

Bei Kindesmißbrauch handelt es sich um eine besonders abscheuliche Straftat. Warum für die Kirche eine Art Ausnahmeregelung getroffen wurde, daß Täter nicht ins Gefängnis müssen, nicht einmal zu einer Therapie verpflichtet werden, daß die Kirche das Thema immer noch totschweigen möchte und teilweise auch kann und dafür bereit ist, Unsummen zu zahlen, ist ein Skandal, der dazu führen sollte, daß man dieser Institution endgültig den Saft abdreht. Die ständigen Bemühungen der "Kirche von unten" werden systematisch ignoriert oder torpediert, der Vatikan schützt sich, seine überkommenen Strukturen und damit auch die Täter in seiner Hierarchie, zieht sich weitere, sexuell und persönlich verformte Soziopathen heran, die dann auf die Menschheit losgelassen werden. Und so verliert die Kirche als unfehlbare Institution ihre Legitimation, indem sie eben an den Menschen vorbei Gott zu lieben vorschützt. Aber die Liebe zu Gott sollte sich in der Liebe zu den Menschen und Gottes Schöpfung manifestieren. So zumindest interpretiere ich das Gebot zur Nächstenliebe, ohne das all unser Handeln doch nur tönendes Erz wäre - ein Haschen nach Wind.

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14.2.10


Klassenkampf im Backwarenladen: Im "besseren" Viertel von Graz gibt es ein sonntags geöffnetes Bäckereigeschäft. Dort gibt es neben Brot und Semmeln auch die wochentäglichen Sonderangebote im Stile von "nimm drei, zahl zwei". Eine Frau mittleren Alters betritt den Laden. Zeigt bestimmt auf ausgewählte Ware, die zufälligerweise immer diejenige ist, bei der es besagte Angebote gibt. Die Verkäuferin weist darauf hin, woraufhin das Luxusweibchen entnervt die Augen verdreht. "Ich möchte nur eines", flötet sie mit hysterischem Unterton. Daß de Angestellte dienstgeberseitig angewiesen wurde, auf ebenjene Angebote hinzuweisen, ist das eine; sie erfüllt also lediglich ihren Job, so sinnentleert er auch sein mag. Als sie dann neuerlich vergeblich ihrer Dienstanweisung nachzukommen sucht, muß sie sich folgende Worte anhören: "Nein, ich sagte es bereits! Glücklicherweise leben wir in einem Land, in dem man nicht nach Menge einkauft sondern nach Geschmack und Genuß!" Sprach's, zahlt und geht.

Derweil gehen mir im Hintergrund diverse Dialoge durch den Kopf, die in kämpferischen Monologen enden, die wiederum ihren Gipfel in der Verbrennung des Palastes jener dekadenten Bürgermade finden. Aber die Realitätsferne und das mangelnde Einfühlungsvermögen, das wahrscheinlich in mangelnder Vorstellungskraft begründet liegt, daß es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht, daß sie ihren sonntäglichen Hunger mit Croissants und Semmeln stillen können, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sparen und zu derlei Sonderangeboten (die noch immer ausgesprochen teuer sind, wenn man sie mit Discountern vergleicht, aber in diesem Fall zahlt man wohl für vermeintliche Qualität etwas mehr) greifen müssen, machen mich sprachlos. Die Verkäuferin darf natürlich nichts sagen, bei einem solchen Dumpinglohnjob darf man sich in der Regel auch noch sämtliche Scheiße der Kunden geben und soll sich dafür dann noch bedanken, schließlich ist der Kunde König. Kaiser. Oder darf sich gleich für den Allmächtigen Herrgott halten. Ich überlege, ob ich hinterhergehen und sie verbal stellen soll, denn diese Hirnlosig- und Hochnäsigkeit stoßen mir sauerst und bitterst und galligst auf, aber ich überlege nur kurz. Sollte sie mir noch einmal begegnen - vielleicht dann. Oder ich verbrenne ihren Palast. Oder ihren spritschluckenden SUV.

Friede den Hütten, Krieg den Palästen. Wie ich ihn liebe, den Büchner.

Nachtrag: Daß wir tatsächlich in einem Land leben, in dem es Armut gibt, beweist immer wieder die Wiener Tafel.

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12.2.10


Warum man Westerwelle zukünftig vielleicht doch lieber nicht wählen sollte: "Die Diskussion über das Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat sozialistische Züge. Von meiner Kommentierung dieser Debatte habe ich keine Silbe zurückzunehmen. (...) Für viele Linke ist Leistung ja beinahe eine Form von Körperverletzung."

Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt zur Zeit 345 Euro pro Monat. Davon kann man leben, aber ein echtes Teilnehmen am sozialen Leben, das auch aus Kultur und Lernmöglichkeiten besteht, ist so nicht möglich. Nun muß man keinem Arbeitslosen das Geld in den Hintern blasen, aber daß Eltern so keine Nachhilfe für ihre Kinder finanzieren können, wenn die welche brauchen (und meistens brauchen Kinder aus eben sozial schwachen Familien ebendiese), daß Kinder an Ausflügen nicht teilnehmen können und so in ihrem tristen Dasein dahinvegetieren, ohne daß sie neuen Input durch Tapetenwechsel oder eine anregende Umgebung, die ihre Neugier weckt, erfahren, ist doch logisch. Eine verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern verdient weniger als wenn sie Hartz-IV-Empfängerin wäre: Dieses Beispiel kann man von zwei Seiten betrachten. Ja, das ist unfair, denn die Frau arbeitet und erhält weniger als wenn sie arbeitslos wäre. Heißt das zwangsläufig, daß der Hartz-IV-Satz zu hoch ist? Nein, es bedeutet eher, daß der Lohn, den die Kellnerin erhält, deutlich zu niedrig angesetzt ist. Eine Mindestlohndebatte müsste hier angestoßen werden. Aber das entzieht sich den intellektuellen Möglichkeiten eines Herrn Westerwelle, der weiter lautstark auf Steuersenkungen pocht, die in keinster Form finanzierbar sind. Die Idiotie dieser Forderung wird durch die Vehemenz unterstrichen, mit der sie immer wieder hinausposaunt wird.

Die politische Clique hat sich in ihrem fetten Politikerleben, das von Diäten (allein dieser Term ist angesichts der Bezüge, die sich die Abgeordneten gönnen dürfen, an Ironie kaum zu überbieten) und abendlichen Empfängen, bei denen sich das Buffet unter der Last von Häppchen mit Gänseleber und Kaviar biegt, gekennzeichnet ist, so sehr vom wahren Leben der Mehrheit des Volkes entfernt, daß Westerwelles Geschwafel vom dekadenten Rom, das so seinen Niedergang erfuhr, durchaus etwas Wahres hat, auch wenn er es neuerlich vom falschen Standpunkt aus betrachtet. Nur entspricht seine Sichtweise nicht den Tatsachen. Nicht die Plebs war es, die in ihrer Dekadenz den Niedergang verschuldete, es war der dekadente Kaiser samt seiner Regierungsgehilfen.

Herr Westerwelle: Bitte lesen Sie neuerlich das Geschichtsbuch und erkennen Sie, dass es gerade Ihre Dekadenz ist, die zum Scheitern unserer Gesellschaft und unseres Wertesystems führen könnten.

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11.2.10


Ich bin ein "early adopter", wenn es um Dinge geht, die im Internet frei zur Verfügung stehen und zum Ausprobieren einladen. So nenne ich etwa dreissig E-Mail-Adressen mein eigen, die ich allesamt auf eine einzige weiterleiten lasse, weil es sinnlos ist, jede einzelne aufzurufen. Aber sie sammeln alle fleissig Spam-Mails. Immerhin denken also irgendwelche Nigerianer oder Chinesen an mich, wenn sie ihre Betrügereien aushecken. In Napster-, Scour-, eDonkey- und anderweitigen illegale-Downloads-Zeiten hatte ich immer einen Account, zumeist nur zum Ausprobieren, überzeugt war ich selten. Dann gab es eigene Homepages, Weblogs, irgendwie wollte all dies mal ausprobiert werden. Dann kamen social networks hinzu, ob das nun StudiVZ oder Facebook waren. Mit der Zeit wird all dies langweilig oder zumindest selbstverständlich und verliert für mich den Reiz des Neuen. Dann muss es eben Googles Buzz sein.

Und obwohl ich Googles Alleswissenwollen-Attitüde für gefährlich halte, habe ich einen Account von Gmail aus kreiert. Muss das sein? Ich weiss es wirklich nicht, nur: Ich habe einen. Großartig.

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